Noch ist das Konzil der roten Kardinäle in Moskau nicht beendet. Doch zwei Ergebnisse – eines wirtschaftlicher, das andere ideologischer Art – zeichneten sich Mitte dieser Woche schon ab.

Mit der Ankündigung, daß nun ein gemeinsamer Ostblockmarkt geschaffen werden soll, hat Chruschtschow einen weiteren Schritt auf dem Wege zu seinem Fernziel getan, die Vereinigten Staaten wirtschaftlich zu überrunden. Die Schwierigkeiten einer Wirtschaftsintegration hinter dem eisernen Vorhang sind indes noch immer groß – Chruschtschow selbst hat sich im vorigen Monat in Ungarn über den mangelnden Willen der Satellitenländer zu wirksamer Zusammenarbeit bitterlich beklagt. Überdies hängt das unterentwickelte China, das aufs neue umfangreiche sowjetische Wirtschaftshilfe erhalten soll, den industrialisierten Staaten des Ostblocks als hemmender Klotz am Bein. Aber anscheinend sind die Sowjets entschlossen, diesen Schwierigkeiten jetzt zu Leibe zu rücken.

Nicht minder bedeutsam ist das andere Ergebnis des Kreml-Konzils: Offenbar soll die ideologische Attacke gegen Tito wieder abgeblasen werden. Anders ist jedenfalls das herzliche Glückwunschtelegramm nicht zu erklären, das Chruschtschow am Sonntag an den jugoslawischen Staatschef richtete, der seinen 66. Geburtstag feierte. Freilich muß das Ende des Moskauer Konklaves abgewartet werden, ehe diese Auslegung bestätigt werden kann. ts.