wk, Neuhaus (Solling)

Unvermittelt stößt der Wanderer in den Kieferwaldungen des Solling auf eine fast einen Kilometer lange Schneise – auf eine Schneise, die nicht von den Waldarbeitern geschlagen worden ist. Eine Pyramide aus unbehauenen Feldsteinen steht an ihrem Rande; ein schlichtes Steinkreuz und eine Gedenktafel gemahnen an das schreckliche Flugzeugunglück vom 30. Dezember 1957, bei dem ein Canberra-Bomber der Royal Air Force in die Baumwipfel raste und die hohen Kiefern wie dünne Zaunpfähle umknickte.

Drei Tage später fanden zwei Jungen einer Göttinger Jugend-Rot-Kreuz-Gruppe, die gerade ihre Ferien im Solling verbrachte, die Leichen von drei RAF-Offizieren unter den weit im Umkreis verstreuten Trümmern des Flugzeuges, das bis dahin in der ganzen Bundesrepublik vergeblich gesucht worden war. Als die Jugendgruppe von dem grausigen Fund erfuhr, beschlossen die vierzig Jungen und Mädchen, den toten Fliegern einen Gedenkstein an der Stelle zu errichten, wo sie den Tod gefunden hatten.

In den Osterferien machten sie sich an die Arbeit. Tausende großer und kleiner Steine – manche wogen einen halben Zentner – trugen sie kilometerweit durch den Schneematsch und schichteten sie zur Pyramide. Das war keine leichte Arbeit – schwerer aber war es noch, das Steinkreuz und die Gedenktafel für die Leutnante Clarke, Milne und McCarthy zu beschaffen.

Doch auch dieses Problem lösten die Rotkreuzler: Wochen hindurch sammelten sie Lumpen, Altpapier und Flaschen und verkauften sie. Dann leerten sie ihre Sparbüchsen und gingen nicht mehr ins Kino, bis auch der letzte Pfennig aufgebracht war ...

Nun ist das Ehrenmal geweiht worden, das die Jungen und Mädchen für die britischen Fliegeroffiziere errichteten, ein Mahnmal jener Art von Menschlichkeit, die ohne große Worte ans gute Werk geht.