Das Gärtnern als Hobby, ja als Leidenschaft – das hat sich auch bei uns in den letzten Jahren mächtig ausgebreitet. Zumal an den Rändern der Großstädte kann man dafür manches schöne Beispiel finden. Auch in der Literatur schlägt sich dies Interesse deutlich nieder, wie die Fülle der Gartenbücher zeigt.

Da gibt es nun freilich "solche und solche": fachtechnische Anleitungen, trocken und nützlich, und die (mitunter) etwas beschwingteren der Liebhaber, die von ihren Gartenfreuden und -leiden Kunde geben. Auf diesem Gebiet sind noch immer die Engländer die Meister, vielleicht, weil ihnen dabei auch die Neigung entgegenkommt, den Amateur gern für voll zu nehmen, wenn er von einer Herzensangelegenheit spricht.

Ein Spezialist gleichsam unter den Spezialisten dieser Art ist:

Beverley Nichols: "Sonne überm Rasen"; W. Krüger Verlag, Hamburg; 271 S., 11,50 DM.

Er spricht wieder, wie schon seit Jahren, über Merry Hall, sein Landhaus in Sussex, und die weitere Entwicklung seines neiderregenden Gartens. Er spricht davon, als sei es das Wichtigste auf dieser Welt, und diese besessene Entschiedenheit hat der Leser hinzunehmen. Das Buch besteht, nach des Autors eigenen Worten, aus weiter nichts als "kleinen nebenbei erwähnten Geschichten".

Das Porträt eines alten Gärtners, die Beschreibung eines Samenkatalogs von 1910, eines Puppenhauses, ein Gespräch über Sonnenuhren, eine Lektion über Bodenbeschaffenheit – das sind so einige der Miniaturen. Wenn es dramatisch wird, dann besteht das Drama in den Umständen des Kaufs und der Aufstellung einer Balustrade, im Einsammeln neuer Gartenerde, im Sterben einer Katze oder der Rivalität zweier alter Damen.

Nichols bewegt sich in einem engen Bezirk, den er mit großer Lust am Kleinen liebevoll ausschmückt. Sein Besitz ist außerdem mit Menschen und Tieren bevölkert, die seinen Freunden sattsam bekannt sind und die sich einem sehr lebhaft einprägen. Die Stürme, die sich in Meadowstream, dieser geordneten und altmodischen Gemeinde, mitunter erheben, sind wirklich nur die in "zierlichsten Wassergläsern".

Dies ist keines von Nichols’ stärksten und überzeugendsten Büchern, denn manches wirkt doch schon etwas mühsamer und konstruierter als in seinen früheren Schriften, der Humor gezwungener. Aber es ist immer noch der Bericht aus einer heiteren, ruhevollen und glücklichen Welt, in der gerade die kleinen Dinge poesievoll Bedeutung gewinnen. Hans Bütow