Die im Vorjahr begonnene Konzernstraffung bei der Wasag-Chemie AG, Essen, hat im Geschäftsjahr 1957 (31. 12.) die ersten in Mark und Pfennig auszudrückenden Früchte getragen. Wie die Verwaltung mitteilt, ist sie trotz eines leicht rückläufigen Umsatzes in der Lage, eine höhere Dividende auszuschütten. Nach 9 v. H. im Vorjahr wird die Gesellschaft für 1957 eine Dividende von 10 v. H. auf 10 Mill. DM Aktienkapital zahlen. Der Umsatz der Wasag-Chemie AG ist im Berichtsjahr um 0,8 v. H. auf 149,1 (150) Mill. DM zurückgegangen. Dabei hatte die erste Hälfte des Jahres noch eine erhebliche Steigerung des Umsatzes gebracht, die allerdings in der zweiten Hälfte nicht anhielt. Der Warenumsatz des Gesamtunternehmens stieg ohne das Projektegeschäft um 5 v. H. Auch der Exportanteil nahm (ohne Projekte) mit 13 (10) v. H. weiter zu, obwohl sich im zweiten Halbjahr 1957 die Schwierigkeiten auf Grund des amerikanischen, englischen und japanischen Exportdruckes und der Konkurrenz aus den Ostblockstaaten laufend erhöht haben. Die wesentlichen Gründe für den Umsatzrückgang liegen also im Projektegeschäft und der Geschäftsabschwächung der Guano-Werke AG. Es wird allerdings betont, daß das Projektegeschäft vielfach günstige Ansatzpunkte für den Ausbau des Warenexportes gebracht habe. Innerhalb der drei großen Produktionsgruppen hat sich das Absatzbild geringfügig verschoben. Am Gesamtumsatz waren im Berichtsjahr Sprengstoffe, Zündmittel und Nitrozellulose mit 35,4 (37) v. H., Düngemittel und Chemikalien mit 27,9 (31) und Kunststoffe, Zelluloid und Gummierzeugnisse mit 36,7 (32) v. H. beteiligt. Das Unternehmen teilt mit, daß nach dem Anlaufen der Stickstoffverarbeitung in Krefeld sich wieder ein Gleichgewicht in den drei Gruppen ergeben werde.

Der Aufbau des Stickstoffwerks in Krefeld – an deren Kapital von 5 Mill. DM die Wasag und die Union Rheinische Braunkohlen-Kraftstoff AG, Wesseling, je zur Hälfte beteiligt sind – steht an der Spitze der Erweiterungsmaßnahmen des Konzerns. In Krefeld wird unter Einsatz von Ammonkarbonat aus Wesseling und des in erheblichen Mengen bei den Guano-Werken anfallenden Gipses etwa 50 000 t Ammonsulfat im Jahre erzeugt werden. Dieses Unternehmen wird zu dem bisherigen Produktionsprogramm des Konzerns auf dem Düngemittelgebiet eine Ergänzung nach der Seite der Stickstoffdüngemittel bringen. Mitte 1958 wird mit der Produktionsaufnahme gerechnet. Im Zuge der weiteren Entwicklung des Stickstoffwerks ist bereits geplant, andere Produkte auf Stickstoffbasis herzustellen, die als Vorprodukte für die Fertigung in den Wasag-Werken von besonderer Bedeutung sind, wie z. B. Ammoniumnitrat und Salpetersäure.

Wie Vorstandsmitglied Dr. Heinrich Gattineau dazu vor der Presse betont, soll die Generallinie des Konzerns, die chemische Weiterverarbeitung, nicht verlassen werden. Die Sprengstoffkapazität wird nach einigen Erweiterungen im Berichtsjahre als ausreichend angesehen. Nach wie vor produziert die Wasag nur Sprengstoff für friedlich Zwecke. Mündlich wurde hierzu ergänzt, daß zwar Verhandlungen darüber im Gange seien, inwieweit die Nitrochemie GmbH in das Rüstungsgeschäft einsteigen werde, aber die Gespräche seien noch nicht abgeschlossen.

Besondere Freude hat das Unternehmen an den Produkten des Kunststoffes gehabt. Auf diesem Gebiet konnten erhebliche Absatzsteigerungen vorbucht werden. Daneben ist auch eine erwähnenswerte Steigerung in der Gruppe der Gummispielwaren und der Gummiartikel für technische Zwecke erzielt worden. Das Puppengeschäft hat sich weiter gut entwickelt.

Die weitere Konzentration des Konzerns zeigt sich in einer Kapitalherabsetzung der Urion Fabrik chemischer Produkte, Nordenham, von 300 000 auf 30 000 DM bei gleichzeitiger Umwandlung von einer AG in eine GmbH mit direkter Übernahme der bei der Guano-Tochter liegenden Anteile in die Wasag. Im Zuge der beabsichtigten Liquidation der Hüttenchemie GmbH, Mannheim, wurde deren Betrieb im Berichtsjahr eingestellt.

Über die Geschäftsentwicklung im neuen Jahre machte der Vorstand in einer Pressekonferenz Angaben, die sich im wesentlichen mit denen anderer Gesellschaften der Branche decken. Der Umsatzrückgang hat sich fortgesetzt, wobei der Export weiterhin besonders rückläufig ist. Der Inlandsumsatz der Werke der Wasag-Chemie AG liegt in den ersten vier Monaten um etva 3 v. H. unter den Umsätzen des vergangenen Jahres. Der seit Jahren erstmalige Rückgang auf dem Inlandsmarkt ist insbesondere auf die Flaute im Bergbau zurückzuführen, bezieht sich also im wesentlichen auf das Sprengstoffgeschäft. Demgegenüber liegt aber der Warenexport des Konzerns um 27 v. H. unter dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Konkurrenzsituation habe sich weiter verschärft. nmn.