Die Metronome Records GmbH tritt nach langer Pause wieder mit klassischen Schallplatten auf den Plan (sie hat sich übrigens mit der amerikanischen Mercury-Gesellschaft verbunden). Der Katalog enthält sieben Aufnahmen vom Barock bis zu Schönberg, Strawinskij, Hindemith und verschiedene ungewöhnliche Neuerscheinungen. Vor allem macht uns die Firma mit einigen (für uns) neuen Interpreten bekannt, insonderheit dem französischen Dirigenten Paul Paray und dem norwegischen Pianisten Robert Riefling.

Bach, J. S.: Konzert im Italienischen Stil; Ralph Kirkpatrick (Metronome). Mozart: Symphonien in C-Dur KV 338 und D-Dur („Prager“) KV 504; Raphael Kubelik (Mercury). Bartók: Der wunderbare Mandarin op. 19, Ungarische Skizzen und Rumänische Tänze; Strawinskij): Le Sacre du Printemps; Ravel: Daphnis und Chloe (ungekürzte Aufnahme); Antal Dorati (Mercury). Hindemith: Symphonische Metamorphosen über Themen von Carl Maria v. Weber; Bartók: Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta; Schönberg: Fünf Stücke für Orchester op. 16; Raphael Kubelik (Mercury). Bizet: Arlésienne-Suiten Nr. 1 und 2, Carmen-Suite; Debussy: Iberia, La Mer, Prelude à l’Après-midi d’un Faune; Haydn; Symphonie D-Dur („Haffner“) KV 385; Paul Paray (Mercury). Beethoven: Klaviersonate c-Moll („Pathétique“) op. 13; Mozart: Phantasie für Klavier c-Moll KV 475, Klaviersonate C-Dur, KV 545; Robert Riefling (Metronome). Tschaikowskij: Vollständige Ballettmusik „Schwanensee“ und „Dornröschen“; Antal Dorati (Mercury).

Ralph Kirkpatrick, dessen „Vier Duette“ aus dem dritten Teil der „Klavierübung“ von Bach wir seinerzeit schon besprochen hatten, läßt jetzt das „Konzert im Italienischen Stil“ aus dem zweiten Teil folgen. Es ist mit der für den Künstler charakteristischen Stilstrenge gespielt, die Tonqualität der Aufnahme ist hervorragend. Kubelik bringt zunächst zwei Mozart-Symphonien, darunter die „Prager“ KV 504, in vorbildlicher, klassisch reiner Interpretation. Dann aber widmet er sich ausgiebig der modernen Musik. Die „Symphonischen Variationen“ von Hindemith und die „Fünf Stücke für Orchester“ von Schönberg werden uns hier zum erstenmal auf der Schallplatte beschert. Auch Dorati macht uns mit einigen Kompositionen bekannt, die bisher noch nicht aufgenommen waren, nämlich einer Suite aus der Pantomime „Der wunderbare Mandarin von Bartók, ferner den „Rumänischen Volkstänzen“, die Bartók ursprünglich für Klavier geschrieben, dann aber selber für kleines Orchester bearbeitet hat; endlich mit einer Reihe von ungarischen Volksliedern; sie sind unter dem Titel „Ungarische Skizzen“ fürgroßes Orchester, ebenfalls von ihm selber, umgearbeitet worden. Diese Kompositionen waren teilweise die Frucht von Bartóks Reisen durch Ungarn und die Balkanländer, auf denen er systematisch das dortige bäuerliche Musikgut gesammelt hat. Das einzigartige Unternehmen stellt ihn auch in die Reihe der Musikgelehrten auf dem Gebiet der Folklore.

Teilweise unterstützt wurde er von seinem Freunde Zoltan Kodály. Dieser hat seine Funde in einer komischen Oper „Harry Janos“ verwertet; aus ihr wurde die weithin bekannt gewordene „Harry Janos Suite“ gewonnen. Dorati führt uns außerdem Kodálys „Peacock-Variationen“ vor. Dieser Dirigent war mehrere Jahre in Monte Carlo als Theater-, insbesondere als Ballettkapellmeister tätig. Von der Theaterarbeit her hat er eine besondere Vorliebe für die Ballettmusik zurückbehalten.

Neben ausgezeichneten Aufnahmen von Strawinskis „Sacre du Printemps“ und der Originalmusik zu „Daphnis und Chloe“ von Ravel, die viel reichhaltiger ist als die beiden bekannten Suiten, bringt er als hochinteressante Neuheit die ganz und gar ungekürzte Musik zu „Schwanensee“ und zu „Dornröschen“ von Tschaikowskij. Diese Aufnahmen enthalten eine Menge hervorragender Musik, die bisher in Westdeutschland noch unbekannt war. Der den meisten Tschaikowskijschen Kompositionen letzten Endes zugrunde liegende tänzerische Grundcharakter wird durch sie in einzigartiger Weise plausibel gemacht.

Paul Paray dirigiert Mozart in erfrischend vitaler Art. Hauptsächlich widmet er sich aber seinen großen Landsleuten, vor allem Debussy, dessen Werke er in hervorragend farbigen Aufnahmen herausbringt.

Eine Entdeckung von größter Bedeutung ist der norwegische Pianist Robert Riefling. Er verbindet überwältigende Virtuosität mit leidenschaftlich glutvollem Temperament – und vor allem mit einer Gestaltungskraft, die uns Beethovens „Pathetique“ und Mozarts tiefsinnige, beinahe düstere c-Moll-Phantasie in ganz neuer Beleuchtung erscheinen läßt. Chr.