Mit dem Bezugsrecht der Dresdner Bank, das in der vergangenen Woche an allen drei Notierungstagen mit 25 v. H. genau zur rechnerischen Parität gehandelt worden ist, sind die im Laufe dieses Frühjahrs angekündigten größeren Kapitalerhöhungen praktisch durchgeführt. Was jetzt noch auf diesem Gebiet in Aussicht steht, ist zwar beachtlich, fällt jedoch nicht mehr so stark ins Gewicht. Rückblickend läßt sich sagen, daß die Aktienmärkte das Bezugsrechtgeschäft reibungslos überstanden haben; Schwierigkeiten, wie sie in den vergangenen Jahren bei eiligen Kapitalerhöhungen gelegentlich der Fall waren, hat es in diesem Jahr nicht gegeben. Fast immer wurde das Bezugsrecht auf Basis der rechnerischen Parität notiert, so daß die Aktionäre, die ihr Bezugsrecht verkaufen mußten, keinerlei Schaden erlitten haben.

Die stabile Tendenz bei den Aktien, die auch während der französischen Krise kaum eine Änderung erfuhr, ist um so beachtlicher, als der Rentenmarkt immer weitere Summen auf sich zieht und dort das Ende der Anleihewelle noch nicht abzusehen ist. Die neuen Emissionen der Industrie und der öffentlichen Stellen (am 18. Juni kommt eine neue siebenprozentige Lastenausgleichsanleihe über 100 Mill. DM) werden reibungslos untergebracht. Insgesamt dürften in diesem Monat wieder für 500 Mill. DM emittiert werden. Inwieweit hier lediglich kurzfristige Gelder Anlage suchen, ist schwer zu ermessen. Das gilt sowohl für den Teil, der aus dem Inland zur Verfügung gestellt wird, aber auch für den ausländischen Anteil, bei dem spekulative Momente häufig keine geringe Rolle zu spielen scheinen. Merkwürdigerweise belebt sich an einigen internationalen Plätzen das Gerede über eine eventuelle Aufwertung der D-Mark, das durch nichts gerechtfertigt ist. Dennoch trägt es dazu bei, daß die Ausländer gegenwärtig an den deutschen Wertpapierbörsen mehr kaufen als verkaufen.

Mit der sofort überzeichneten Phoenix-Rheinrohr-Anleihe. die (siebenprozentig) zu 99 1/2 v. H. begeben wurde, ist der Weg für den 6 1/2prozentigen Typ bereitet worden. Ob er allerdings schon in diesem Monat erwartet werden kann, steht auf einem anderen Blatt. Die Anleihen der öffentlichen Hand werden jedenfalls noch bei sieben v. H. bleiben müssen. Die vor kurzem zu 98 v. H. aufgelegten siebenprozentigen Anleihen der Bundespost und der Bundesbahn werden zu 99 v. H. an der Börse gesucht. Ihr Kurs liegt also leicht unter den Notierungen der Anleihen, erstklassiger Industrieunternehmen.

Im einzelnen zeigten die Aktienmärkte keine sensationellen Züge. Die Montanaktien konnten von der freundlichen Tendenz nur wenig profitieren. Das ist begreiflich, denn die Nachrichten von der rückläufigen Ausnutzung der Stahlkapazitäten und den wachsenden Haldenbeständen, sind alles andere als erfreulich, wenngleich immer wieder: darauf hingewiesen werden muß, daß in den jetzigen Montankursen die veränderte Lage wahrscheinlich bereits voll berücksichtigt worden ist. Wenn dennoch eine Belebung bei den schwerindustriellen Werten bislang ausblieb, dann lag das daran, daß bislang niemand eine durchgreifende Besserung bei Eisen, Stahl und Kohle vorauszusagen wagt. Man tut jedoch gut daran, die Lage an Rhein und Ruhr nicht zu dramatisieren. Auch bei der jetzigen Kapazitätsausnutzung dürfte noch verdient werden. Der Vorstand der Ruhrstahl AG bezeichnete die Entwicklung im Montanbereich sogar nur als eine Normalisierung nach stürmischen Aufbaujahren.

Recht erfreulich ist immer noch die Entwicklung der Auftragseingänge in der chemischen und in der Elektroindustrie. Das kommt auch in den Börsenkursen entsprechend zum Ausdruck. Viel Beachtung fand die Dividendenerhöhung bei Ver. Glanzstoff, wo zehn v. H. Dividende und ein Bonus von zwei v. H. ausgeschüttet werden sollen. Entsprechend dem Organvertrag mit Glanzstoff wird Bemberg fünf und eins v. H. Bonus zahlen. Bei einem Aktienkurs von 95 v. H. liegt hier die Rendite also über sechs v. H.

Von den Gratisaktien-Aspiranten werden gegenwärtig die Papiere solcher Gesellschaften bevorzugt, bei denen bereits feststeht, daß Aufstockungsaktien verteilt werden sollen, sobald das Gesetz über die steuerfreie Umwandlung von Rücklagen in Aktien in Kraft tritt. Aber auch andere „gratisaktienverdächtige“ Papiere konnten Gewinne erzielen. So beispielsweise Daimler (plus 47 Punkte) und Schlesw. Holst. Westbank, (plus 30 Punkte). Kurt Wendt

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„Mercedes-Benz (Australia) Pty. Ltd.“ gegründet. – Dr. Fritz Könecke, Generaldirektor der Daimler-Benz AG, Stuttgart-Untertürkheim und Mr. A. F. Crosby, Präsident der Standard Motor Products Ltd., Melbourne, Australien, gaben bekannt, daß in Australien eine neue Gesellschaft gegründet werden wird, um den australischen Markt für Mercedes-Benz-Lastwagen, Personenwagen und Motoren zu erschließen. Die „Mercedes-Benz (Australia) Pty. Ltd.“ genannte neue Gesellschaft wird durch die Daimler-Benz AG und die Standard Motor Products Ltd. finanziert. Die Gesellschaft wird in stufenweiser Fertigung das Mercedes-Benz-Fahrzeug-Programm mit Schwerpunkt auf Schwerlastwagen in Australien herstellen und vertreiben und gemeinsam mit der deutschen Gesellschaft die Exportmöglichkeiten nach den Ländern des Südwestpazifik fördern.