G. G., Stockholm, Anfang Juni

Allen Unkenrufen zum Trotz hat bei den schwedischen Reichstagswahlen wieder die Sozialdemokratie gesiegt. Sie, die seit Jahren einen Mandatsverlust nach dem anderen hatte hinnehmen müssen und mit sehr schmalen Chancen in den Wahlkampf gezogen war, hat nach 25jähriger Regierungszeit erneut die Vollmacht des schwedischen Volkes erhalten.

„Der alte Mann und die Pension“ – so hatten die Bürgerlichen den Wahlschlager der Sozialdemokraten, den neuen Altersversicherungsplan, persifliert. Sie appellierten vor allem an die jungen Wähler, nicht dem Lockbild des „gesicherten Altenteils“ zu verfallen, sondern die „beengenden Fesseln des Wohlfahrtsstaates zu durchbrechen“. Doch sind die bürgerlichen Parteien mit dieser Parole nicht durchgedrungen.

So konnten die Sozialdemokraten – in vielen Wahlkreisen von den Kommunisten unterstützt – sechs Mandate gewinnen. Zwei neue Sitze eroberten die Konservativen. Eigentlicher Sieger der Reichtstagswahl wurde jedoch der von vielen Beobachtern längst totgeglaubte Bauernbund, dem 13 neue Mandate zufielen. Ihm wandten sich offenbar viele Wähler aus dem liberalen Lager zu, Handwerker und Angestellte, denen die staatliche Zwangsversicherung der Sozialisten und der Pensionsplan der Volkspartei – „weder Fisch noch Fleisch“ – gleichermaßen zuwider waren. Die Liberalen wurden so die eigentlichen Verlierer der Wahl; sie mußten den Verlust von 20 Mandaten hinnehmen.

Dies ist die Sitzverteilung im neuen Reichstag: Sozialisten 112, Kommunisten 5, Konservative 44, Liberale 38 und Agrarier 32. Gleichgültig, welchen Koalitionspartner sich die Sozialdemokratie für die Regierungsbildung sucht, das neue Altersversorgungsgesetz wird nun Wirklichkeit werden. Es wird die Krönung der sozialistischen Ära darstellen, die unter Branting begann und mit Erlander vollendet werden soll.