Gegen die Anleihefinanzierung können nun verschiedene Einwände erhoben werden, die teils berechtigt sind, teils nicht.

Zunächst mag man Bedenken geltend machen hinsichtlich der Möglichkeit, Anleihen im erforderlichen Ausmaß unterzubringen. Diese Bedenken hätte man bis vor kurzem nicht so leicht entkräften können, denn der Kapitalmarkt war sicherlich nicht besonders ergiebig. Neuerdings ist jedoch die Spartätigkeit so angewachsen, daß die Unterbringung von Milliardenanleihen des Bundes keineswegs mehr unmöglich sein dürfte. Wenn es gelingt, das Preisniveau stabil zu halten und wenn keine ernsthaften politischen Störungen auftreten, wird man wohl weiterhin mit einer erhöhten Ersparnisbildung rechnen können. Würde man die Steuern nicht erhöhen, so bliebe ja das verfügbare Einkommen auf dem bisherigen Niveau, so daß weiterhin entsprechend gespart werden könnte.

Bei der steuerlichen Finanzierung wäre man natürlich nicht auf die freiwillige Ersparnis angewiesen, man bekäme die Gelder „sicher“, darüber hinaus würde nicht nur die private Investition, sondern auch der Konsum zu einem gewissen Grade gedrosselt zugunsten der zusätzlichen staatlichen Ausgaben, weil ja die weggesteuerten Einkommensteile nur teilweise gespart worden wären.

Nun ist es aber fraglich, ob sich die Investition durch die Anleihebegebung im Umfang der staatlichen Zusatzausgaben eindämmen läßt. Zwar wird das Hinzugesellen des Staates zu den Kreditnachfragern zu einer steigenden Tendenz des langfristigen Zinsfußes führen, die die private Nachfrage nach Investitionskrediten zu einem gewissen Grade dämpfen dürfte. Auf der anderen Seite aber wird die Investitionsbereitschaft nicht durch höhere Steuern und eine Reduktion des Konsums beeinträchtigt. Es ist somit nicht unwahrscheinlich, daß die Unternehmer versuchen, das Investitionsvolumen trotz der Kapitalmarktbeanspruchung durch den Staat aufrechtzuerhalten, indem sie auf kurzfristige Kredite ausweichen. Inwieweit dies möglich sein wird, hängt von der Geldpolitik ab.

Wir sind mit diesen Betrachtungen bereits bei konjunkturellen Aspekten angelangt, und diese sind, wie gleich noch weiter zu zeigen sein wird, besonders wichtig. Das Bedenken, die Anleihefinanzierung scheitere an der Unmöglichkeit der Unterbringung staatlicher Papiere auf dem Kapitalmarkt, braucht jedenfalls in der heutigen Situation nicht als schwerwiegend angesehen zu werden. Ebensowenig kann man gegen die Anleihefinanzierung damit argumentieren, daß man sagt, der Bund könne einen Schuldenzuwachs nicht verkraften. Nach der gewaltigen Entlastung durch die Währungsreform, die bei anderen, durch den zveiten Weltkrieg zu einer hohen Schuldenlast verdammten Ländern nicht eingetreten ist, kann keine Rede davon sein, daß das „Verschuldungspctential“ des Bundes voll ausgeschöpft ist. Wohl entsteht durch den Zinsendienst und die Tilgung eine beachtliche, durch zusätzliche Steuereinnahmen zu deckende Last, eine gewisse Steuererhöhung wird also auch bei einer grundsätzlichen Anleihefinanzierung der Rüstungssonderausgaben nicht zu vermeiden sein, doch wird diese eben nur einen relativ bescheidenen Bruchteil der Steuererhöhung ausmachen, die eine rein steuerliche Finanzierung mit sich bringen würde.

Hinsichtlich der Lastenverteilung, so sahen wir, erscheint die Anleihefinanzierung der steuerlichen Finanzierung überlegen. Und doch kann auch in dieser Beziehung ein Bedenken vorgebracht werden. Es ist nämlich nicht nur darauf zu achten, wie sich die Last auf die verschiedenen Generationen verteilt, sondern auch darauf, wie die einzelnen Einkommensschichten belastet werden. Durch die Zinszahlung, so kann man argumentieren, ergibt sich ein Umverteilungsvorgang zugunsten der Empfänger höherer Einkommen. Diese werden in erster Linie die Anleihen zeichnen und die Zinsen empfangen. Die Steuern, die zur Finanzierung des Zinsendienstes erhoben werden, treffen jedoch auch die Empfänger kleinerer Einkommen, die nicht in der Lage sind, Anleihen zu übernehmen.

Dagegen ist vorzubringen, daß sich, falls der Staat auf die Kreditinanspruchnahme verzichten würde, ein gleichartiger Verteilungseffekt über die Kreditgewährung an Private (Weitergabe der Zinskosten über die Preise) ergeben würde. Überdies ist aber damit zu rechnen, daß die Kreise der Zinsempfänger und der Steuerzahler gar nicht so verschieden sind (wohl aber werden sich erhebliche Salden ergeben für die einzelnen Personen). Ersparnisbildung und Anleihezeichnung sind heute auch der breiten Masse der Einkommensempfänger möglich, während andererseits die Einkommensbesteuerung, falls diese zur Finanzierung des Zinsendienstes herangezogen wird, erst bei Einkommen effektiv wird, die oberhalb der „Sparschvelle“ liegen, zumindest nach der Neuregelung.