Einen makabren Lokaltermin beobachteten Frankfurter Passanten in der letzten Woche an der Ecke Stiftstraße–Große Eschenheimer Straße. Ein heller Mercedes 190 SL nahm elegant die Kurve und bremste quietschend vor dem Appartementhaus Nr. 18. Im Wageninneren erkannte man undeutlich die Silhouette eines behäbigen Mannes, Schablone der Neureichen ... Das Mädchen Rosemarie trat aus der Tür, schüttelte das blonde Haar über dem Nerz, warf die vollen Lippen auf und verschwand leichtfüßig im Wagen. Mercedes, Mädchen und Neureicher fegten die Stiftstraße entlang. Im Fenster gegenüber wurde eine Filmkamera verpackt...

Rund sieben Monate nach dem Tod der echten Rosemarie gab es in Frankfurt kein „Gespräch Nitribitt“ mehr. Die „Roxy-Film-Gesellschaft“ ließ es wieder aufflackern, als die Film-Rosemarie sich in einem Hause bereithielt, in dem immer noch eine Wohnung polizeilich versiegelt ist, zu einer Zeit, da ein Mann, mit dem schwersten Verbrechen belastet, noch immer in Untersuchungshaft sitzt, ein Mann, dessen Auto oft vor diesem Hause stoppte.

Über die Frage, wozu dieser Film gut sein könnte, streitet man sich schon lange. Die Roxy-Film ließ deshalb verlauten, es handle sich um einen Film mit „sozialkritischem Hintergrund“, in dem keine Sensationen aus dem engeren Leben der toten Rosemarie zu erwarten seien. Dem Drehbuchautor genüge vielmehr „das Phänomen Nitribitt, das im Wohlstand eines Wirtschaftswunder-Staates so üppig blühen und gedeihen konnte“.

Sind dann aber diese filmischen Taktlosigkeiten vor dem Hause der Nitribitt nötig? Oder ist es schon jetzt klar, daß der Nitribitt-Film ohne Sensationen nicht auskommt?

K-a, Frankfurt