Die Deutsche Erdöl AG, Hamburg, die sowohl im Erdöl- als auch im Kohlebereich (Zeche Graf Bismarck) tätig ist, hat mit dem Berichtsjahr 1V57 einen sehr erfolgreichen Abschnitt ihrer Geschichte abgeschlossen. Es haben jedoch insofern Sonderverhältnisse vorgelegen, als zu Beginn des Jahres – verursacht durch die Suez-Krise – der Absatz der Mineralölprodukte sowie der Kohleabsatz stark forciert wurden. Die während der Suez Krise nicht unwesentlich gestiegenen Verkaufspreise für Mineralölprodukte sind der DEA wesentlich zugute gekommen, da sie sich überwiegend auf ihre heimische Förderung stützen konnte. Von dem in 1957 um 11,4 v. H. auf 702 000 t erhöhten Rohöl durchsatz der Verarbeitungsanlagen stammten nur 66 600 t aus Importen.

Nach, dem Abklingen der während der Suez-Krise aufgetretenen Versorgungsschwierigkeiten machte sich jedoch ein schnell einsetzender Warendruck bemerkbar, der einerseits durch eine allgemein zu pessimistische Beurteilung der Krisendauer hervorgerufen war, andererseits durch das Bestreben einiger neu auf den Plan tretender Gesellschaften „entstand, um jeden Preis einen Marktanteil im Bundesgebiet zu erringen. Als Folge hiervon trat eine absinkende Preistendenz ein, die auch jetzt noch anhält. Beim Heizölpreis (er liegt im Bundesgebiet unter dem Weltmarktpreis) bahnt sich jetzt eine Änderung an, aber ein Anziehen der Treibstoffpreise wird von der DEA-Verwaltung noch nicht vorausgesagt.

Bei der Kohle war die Förderung rückläufig, und zwar um 2,7 v. H. auf 2,74 Mill. t. Bis zum Jahresende gab es noch keine Haldenbestände. Ende Mai waren jedoch 200 000 t der Steinkohlenförderung noch unverkauft. Dennoch ist man bei der DEA hinsichtlich der künftigen Erträge optimistisch. Denn man kündigt höhere Abschreibungen (für 1957 bereits 44 Mill. DM) an und glaubt gleichzeitig auch, den Aktionären weiterhin angemessene Dividenden zusichern zu können, wie dies auf einer Pressekonferenz geschehen ist.

Die künftige Investitionsfinanzierung ist gesichert. Sie wird im gleichen Rahmen wie 1957 gehalten. Im Berichtsjahr betrugen die Anlagezugänge 87 Mill. DM. Für Ende dieses Monats ist eine 50-Mill.-DM-Anleihe in Aussicht gestellt, die wahrscheinlich zu einem Zinssatz von 7 v. H. herauskommen wird. Diese Anleihe wird auch die Mittel zur Ablösung der noch nicht in Aktien umgetauschten Stücke der Wandelanleihe von 1951 beschaffen, die zum 1. Januar 1959 gekündigt ist. Es handelt sich dabei um 18 Mill. DM. Durch die Kündigung wird das Wandelrecht nicht berührt.

Die verbesserte Ertragslage kommt nicht allein in der Dividendenerhöhung um 1 auf 10 v. H. zum Ausdruck. Daneben ist die Stärkung der freien Rücklagen um 4,4 Mill. DM zu beachten, die aus versteuerten Erträgen erfolgte. Die DEA will auch in den kommenden Jahren in angemessener Weise die Rücklagen anreichern. In den vorangegangenen Jahren wurden sie um insgesamt 19,3 Mill. DM vermindert zum Ausgleich von Buchverlusten, zur Bestreitung des Lastenausgleichs und zur Ermöglichung steuerbegünstigter Abschreibungen. Hinter den in der DM-Eröffnungsbilanz ausgewiesenen Rücklagen von 43,3 Mill. DM bleiben die jetzt ausgewiesenen Rücklagen immer noch um fast 6 Mill. DM zurück. Berücksichtigt man – was man eigentlich sollte –, daß das Grundkapital mehrfach erhöht worden ist, so ist noch für Rücklagen sehr viel Platz, wenn die in der DMEB vorhandene Relation zwischen Grundkapital und Rücklagen wiederhergestellt werden, soll. Selbstverständlich sind aber in manchen Bilanzposten stille Reserven enthalten, wie auch Abschreibungen, aus versteuerten Erträgen vorgenommen worden sind.

Noch immer ist die DEA allein auf ihre Ölfelder im Gebiet der Bundesrepublik angewiesen. Die Bohrungen in Peru und Syrien sind zwar erfolgversprechend, genau wie die geophysikalischen Untersuchungen in der Türkei Fortschritte machen, doch für eine geregelte Fördertätigkeit ist dort die Zeit noch nicht reif. In Syrien wurde erst eine Versuchsbohrung niedergebracht, die gute Aussichten auf Fündigkeit hat. Es wird sicher noch etwas dauern, bis hier Investitionen großen Stils notwendig werden. Vorläufig wird die Tätigkeit in den außerdeutschen Gebieten über. Unkosten verbucht. Die Kosten treten in der Bilanz also nicht in Erscheinung.

Im übrigen ist festzustellen, daß die Bilanz gegenüber dem Vorjahr liquider geworden ist. Das liegt zum Teil daran, daß noch nicht alle aus der Kapitalerhöhung (in 1957 um 40 Mill.) stammenden Mittel am Jahresende in Anspruch genommen waren. Neben dem gesamten Anlagevermögen waren am Bilanzstichtag rund 44 v. H. des Umlaufsvermögens mit eigenen und langfristigen fremden Mitteln finanziert. Der Umsatz ist in 1957 um 8,6 v. H. auf 518 Mill. DM gestiegen. In erfreulich offener Weise wird auch eine Aufgliederung vorgenommen: Mineralöl 262 Mill. DM (50,5 v. H.), Steinkohle 163 Mill. (31,5 v. H.), Brennstoffhandel 77 Mill. (14,9 v. H.), Dienstleistungsbetriebe 16 Mill. (3,1 v. H.). In den Umsatzzahlen sind interne Umsätze ebensowenig enthalten wie die Mineralölsteuer. K. W.