Bei den Warenhauskonzernen scheinen die Rekorde in der jährlichen Umsatzzunahme von normaleren Zuwachsquoten abgelöst zu werden. Die Kaufhof AG, Köln, hatte bereits vor einiger Zeit mitgeteilt, daß sie im Jahre 1957 einen Umsatz von 1,2 Mrd. DM erzielte, der um 10 v. H. höher lag als im Vorjahr, in dem noch ein Zuwachs von 19,8 v. H. erreicht werden konnte. Noch deutlicher wird dies bei der Rudolph Karstadt AG, Essen-Hamburg, die im Vorjahresbericht eine Umsatzsteigerung von 25 v. H. meldete und in ihrem Geschäftsbericht für 1957 einen Zuwachs von 14,64 v. H. von 0,955 Mrd. DM auf 1,095 Mrd DM (ohne Tochtergesellschaften) mitteilt. Damit liegt Karstadt umsatzmäßig sehr nahe bei Kaufhof, man könnte von einem Kopf-an-Kopf-Rennen sprechen.

Die Karstadt-Verwaltung kommentiert die Verlangsamung des Umsatzzuwachses als eine Erscheinung des allgemein ruhigeren Wirtschaftswachstums im vergangenen Jahr. Zum Jahresschluß konnte die Verwaltung feststellen, daß die Verkaufspreise des breiten Sortiments (vom Umsatz entfielen 60 v. H. auf Textilien, 26,6 v. H. auf Hartwaren und 12,5 v. H. auf Lebensmittel) im ganzen sich nicht erhöht hatten, obwohl zu Beginn des Geschäftsjahres derartige Befürchtungen bestanden und sich auch Kostenverteuerungen auf verschiedenen Gebieten und bei den Löhnen bemerkbar machten. Die Verkaufsfläche hat Karstadt im Berichtsjahr nur gefügig erhöht, sie beträgt heute 202 410 qm, gegenüber 196 450 im Vorjahr.

Die Hauptversammlung billigte den Vorschlag der Verwaltung, wieder eine Dividende von 12 v. H. auszuschütten und beschloß gleichzeitig, eine Kapitalerhöhung von 12 auf 84 Mill. DM vorzunehmen. Die Kapitalerhöhung soll, so wurde auf der HV mitgeteilt, der Finanzierung der im laufenden Jahr wieder lebhaften Investitionstätigkeit dienen. Nach Mitteilung des Vorstandes kann man mit einer Umsatzsteigerung im laufenden Jahr rechnen, die bei etwa 10 v. H. liegen wird.

Auf der HV kam es zu einer Diskussion über eine eventuelle Ausschüttung von Gratisaktien. Anlaß dazu waren die hohen Rücklagen. Wem die Verwaltung auch erklärte, daß sie nicht in der Lage ist, zu dieser Frage eine Stellungnahme abzugeben, solange das Gesetz über die steuerfreie Umwandlung von Rücklagen in Aktienkapital nicht in Kraft getreten ist. so konnte man jedoch sowohl aus den Äußerungen des AR-Vorsitzenden, Dr. Hanns Deuss (Commerzbank – Bankverein), als auch aus denen von Max Hoseit, Vorstandsmitglied der Gesellschaft, entnehmen, daß die Voraussetzungen für eine Ausschüttung von „Zuwachsaktien“ bei Karstadt alles andere als ungünstig sind, zuma die Bilanz neben den erheblichen offenen Rücklagen auch noch beträchtliche stille Reserven enthält, die teilweise nur schlecht verborgen werden konnten. M. D. / K. W.