Wie könnte eine solche Verflechtung konkret aussehen? Ich gestehe, daß ich dafür heute kein ausgearbeitetes Programm vorzulegen weiß; ich stoße hier an die Grenze dessen, was ich bisher durch eigene Anstrengungen habe erarbeiten können. Ich meine aber, daß ein solches Programm notwendig wäre. Die Rüstungsbeschränkung, der ja diese Artikelserie gewidmet ist, hätte in der Verflechtung nur eine dienende Rolle zu spielen, vor allem, um diejenigen psychologischen und organisatorischen Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die einer Einigung beider Seiten im Weg stehen. Von den drei obengenannten Interessen der Sowjetunion an einer Verständigung über die Auflockerung des europäischen Zweiblocksystems hätte sie dem dritten, der Befreiung von der Sorge vor militärischer Bedrohung zu dienen. Selbstverständlich wäre auch hierin ein Maximum der Gegenseitigkeit anzustreben, also womöglich eine Übereinkunft über die Begrenzung auch der konventionell ausgerüsteten Truppenmacht, die die Sowjetunion in Osteuropa unterhält.

Ein völliger Rückzug der sowjetischen Truppen aus den Satellitenstaaten würde, so weit man heute sehen kann, eine anderweitige Garantie der Stabilität der Satellitenregierungen erfordern. Eben darum besteht die einzige Aussicht, die Beziehungen dieser Länder zum Westen zu verstärken, in einem System, das ihre Beziehungen zum Osten nicht löst, also in einer Verflechtung. Intensive Handelbeziehungen könnten dabei eine leitende Rolle spielen.

Gegen eine wirtschaftliche Verflechtung West- und Osteuropas meldet sich bei uns und auch in Amerika vielfach der Einwand, damit befestige man ja gerade das kommunistische System. Die Antwort dürfte sein, daß wir hier eine Entscheidung zu treffen haben. Wünschen wir den Kommunismus zu stürzen, so müssen wir die dazu geeigneten Mittel wählen. Sie würden nach allem, was wir heute wissen können, den großen Krieg erfordern. Wollen wir den Krieg nicht, so müssen wir den Wunsch, den Kommunismus zu stürzen, dem Frieden opfern. Dann aber ist es nicht konsequent, eine Politik zu machen, die den Kommunismus nicht stürzt und gleichwohl das Zusammenleben mit ihm erschwert, wo nicht unmöglich macht. Wir müssen vielmehr denjenigen Zustand herzustellen suchen, der den Menschen unter kommunistischer Herrschaft das Leben möglichst erträglich macht, und den kommunistischen Machthabern ein friedfertiges und liberales Verhalten ihres eigenen Lagers so wünschenswert wie möglich erscheinen läßt.