In den drei bisher besprochenen Fragenkreisen hatte ich zu berichten, was ich gehört habe. Meine eigenen Auffassungen konnten und sollten nur Kommentare sein. In europäischen und zumal deutschen Fragen war meine Gesprächssituation in Amerika umgekehrt. Man erwartete von mir Meinungsäußerungen und reagierte dann auf diese. Daher kann ich den Bericht über diese Fragen nur geben, indem ich vorweg die Thesen darstelle, die ich meinen Gesprächspartnern vorgelegt habe. Ich beginne unmittelbar mit dem akuten Problem der atomaren Ausrüstung der Bundeswehr.

Die Politik der Bundesregierung ist im Einklang mit der Politik der amerikanischen Regierung und erschien der Mehrzahl meiner amerikanischen Gesprächspartner daher, ohne nähere Prüfung, als die natürliche. Die abweichende Auffassung von G. F. Kennan hat zwar wohl mehr Zweifel wachgerufen, als man offiziell zugibt, aber diese Zweifel sind meist nur ungenau durchdacht. Sorgfältige Leser der Kennanschen Vorträge habe ich selten gefunden. Ich habe daher im allgemeinen nicht auf Kennan Bezug genommen, sondern den für mich am nächsten liegenden Weg gewählt, meine persönliche Interpretation der „Göttinger Erklärung“ vorzutragen.

Der einzige Satz jener hauptsächlich der faktischen Information dienenden Erklärung, der einen konkreten politischen Vorschlag enthielt, lautete: „Für ein kleines Land wie die Bundesrepublik glauben wir, daß es sich heute noch am besten schützt und den Weltfrieden noch am ehesten fördert, wenn es ausdrücklich und freiwillig im den Besitz von Atomwaffen jeder Art verzichtet.“

Dieser Satz ist meist nicht mit Sorgfalt gelesen worden. Er wählt den Ton der Vorsicht („wir glauben... heute... noch am ehesten“), soweit die Richtigkeit des Vorschlags in Frage steht, hingegen den Ton der Bestimmtheit („freiwillig und ausdrücklich“), soweit es sich darum handelt, wie der Vorschlag, falls man sich zu ihm entschließt, auszuführen wäre. Er argumentiert ferner nicht mit der speziellen Lage Deutschlands, sondern damit, daß wir ein kleines Land sind. Seine unmittelbare Zielrichtung geht nicht auf unsere nationalen Probleme, sondern auf das internationale Problem der atomaren Bewaffnung kleinerer Länder, also auf die Frage des atomaren Chaos; nur weil wir in unserem eigenen Land direkte bürgerliche Verantwortung tragen, haben wir uns zunächst in dieses gewandt. eines Kommandeurs unwahrscheinlicher machen, teile ich nicht. Beide Gefahren liegen heute viel mehr bei den größten Waffen; sie liegen mehr bei der zurückgezogenen Hand, die das Schwert führt, als beim vorgeschobenen Schild. Eine militärisch entleerte Zone würde sogar Volksunruhen sehr viel leichter entstehen lassen. Dies ist kein Einwand gegen den Rapacki-Plan,-der nur die Atom-– waffen betrifft, die gegen Revolutionen ohnehin kaum einzusetzen sind, muß aber bei allen weitergehenden Plänen eines militärischen Disengagement im Auge behalten werden.

Die Meinung, unser Land wäre gegen die Ge-