Der zunehmende internationale Wettbewerbsdruck der pharmazeutischen Industrie, den der Geschäftsbericht der Schering AG, Berlin, für 1957 (31. Dezember) mehrfach betont, hat sich auch auf die Entwicklung dieses größten Berliner Chemiebetriebes ausgewirkt. Lag die Zuwachsrate des Vorjahres mit einem Mehrumsatz von 28 v. H. noch über dem Bundesdurchschnitt der Industriegruppe, so entsprach sie im Berichtsjahr mit 22 v. H. genau dem Bundesdurchschnitt. War in den letzten Jahren der Schering-Export stets relativ stärker als das Inlandgeschäft gestiegen, so verteilte sich 1957 die Zunahme gleichmäßig auf In- und Ausland. Da nur 5 v. H. des gesamten Umsatzes in die außerdeutschen Länder des Gemeinsamen Marktes und weitere 8 v. H. in die übrigen Länder der künftigen Freihandelszone gingen, machte der Export in überseeische Länder 39 v. II. des Gesamtgeschäftes aus. Dieser ausschlaggebend hohe Prozentsatz macht den Entschluß der Gesellschaft verständlich, trotz Importrestriktionen verschiedener Länder, Transferschwierigkeiten, Preisdruck und anderer hoher Risiken dem Ausbau der Auslandsverbindungen verstärkte Aufmerksamkeit zu widmen.

Erhöhte Umsätze und ständige Rationalisierung haben im Berichtsjahr noch ausgereicht, um die rückläufigen Preise und steigenden Kosten voll auszugleichen und die Rentabilität auf der Vorjahreshöhe zu halten. Dazu haben wesentlich die mit 17,9 Mill. DM ausgewiesenen Anlageinvestitionen beigetragen, zu denen am Stichtag noch Anzahlungen auf bestellte Anlagen im Werte von 4,6 (i. V. 1,5) Mill. DM kamen. Insgesamt hat Schering damit seit dem zweiten Quartal 1949 für Investitionen 72 Mill. DM aufgewendet, von denen 25,3 Mill. DM aus Abschreibungen finanziert wurden.

Das mit insgesamt 10,5 Mill. DM veranschlagte neue Hauptlaboratorium in Berlin stand im Mittelpunkt des Auf- und Ausbaues der Berliner Produktionsstätten, denen der größte Teil der Investitionen des Berichtsjahres zugute kam. Damit wird zugleich das besondere Gewicht der Forschung und Entwicklung in dieser Sparte deutlich. Daneben wurden in dem Zweigwerk Wolfenbüttel die Produktionsanlagen für Pflanzenschutzmittel und Galvanobedarfsartikel erweitert und in Oberhausen/Rhld. ein Technikum für chemische Betriebsversuche eingerichtet. Den Exportbedürfnissen trugen u. a. fünf Mill. DM Rechnung, die der Vertriebsorganisation im Ausland für Kapitalerhöhungen, Neugründungen und Beteiligungen zuflössen; weitere 1,2 Mill. DM erhielten ausländische Tochtergesellschaften als langfristige Darlehen, die später in haftendes Kapital umgewandelt werden sollen. Andererseits erwies es sich als angebracht, wegen der hohen Risiken die Auslandsbeteiligungen um drei Mill. DM und die Warenforderungen an ausländische Vertriebsgesellschaften um weitere zwei Mill. DM abzuwerten.

Der auf den 20. Juni einberufenen HV wird wieder eine Dividende von 11 v. H. vorgeschlagen, auf die der Reingewini von 4,95 (4,4) Mill DM zugeschnitten ist; die zehn Mill. DM neue Aktien aus der vorletzten Kapitalerhöhung sind nur in halber Höhe gewinnberechtigt.

Die Entwicklung in den ersten vier Monaten des neuen Geschäftsjahres zeigt eine weiterhin steigende, wenn auch leicht verlangsamte Tendenz. Trotz neuer Preiskonzessionen auf verschiedenen Märkten beurteilt die Geschäftsleitung die Entwicklung für den Rest des Jahres zuversichtlich. G. G.