Vor einigen Monaten (Nr. 11 vom 13. März 1951) habe ich versucht, Sie, meine verehrten Leser, mit dem Wesen der Wandelanleihen vertraut zu machen. Damals stand die Ausgabe der AEG- und BMW-Wandelanleihen noch bevor. Inzwischen waren beide Emissionen zum Verkauf angeboten, und das Bezugsrecht für beide Anleihen ist an den Börsen amtlich notiert worden. Alle AEG- und BMW-Aktionäre, die keinen Wert auf die ihnen angebotenen Wandelanleihen legten (bzw. kein Geld hatten, um sie beziehen zu können), hatten Gelegenheit, das Bezugsrecht zu verkaufen und sich dadurch eine steuerfreie Einnahme zu verschaffen. Der Kurs der alten Aktien wurde entsprechend gekürzt. Bei der BMW-Wandelanleihe, deren Bezugsrecht nur feinen Wert von 2 v. H. erreichte, fiel das nicht ins Gewicht, um so weniger, als der Kurs gerade in diesen Tagen großen Schwankungen unterlag. Zahlreiche, mir in den letzten Tagen zugegangene Briefe zeigen, daß es recht viele Wertpapiersparer gibt, die sich nach wie vor über die Technik bei den Wandelanleihen im unklaren sind. Deshalb bringe ich unser Gespräch wieder auf diese Papiere.

Zunächst einmal zum besseren Verständnis: Wandelobligationen sind festverzinsliche Wertpapiere (bei AEG 7 v. H., bei BMW 6 v. H.), die nach Ablauf einer in den Bezugsbedingungen festgelegten Frist in Aktien der betreffenden Gesellschaft umgetauscht werden können. (Bei AEG im Verhältnis 10 : 7, bei BMW 1 : 1). Die Zinsen von Wandelanleihen unterliegen dem Vorwegabzug durch die Kapitalertragsteuer von 25 v. H., also die gleiche Regelung wie bei den Dividenden. Ich betone dies hier ausdrücklich, weil in diesem Punkt offensichtlich noch Unklarheit besteht, und zwar deshalb, weil in den veröffentlichten Bezugsbedingungen der AEG-Wandelanleihe über die Steuerfrage keine Ausführungen gemacht worden sind.

Aus der steuerlichen Regelung können Sie schon ersehen, daß die Wandelanleihen eher in die Kategorie der Aktien einzugruppieren sind als in die der Renten. Das müssen Sie auch bei Ihren Anlagedispositionen berücksichtigen. Wem es also allein auf eine möglichst hohe Rendite ankommt, dem ist mit dem Besitz von siebenprozentigen AEG-Wandelanleihen nicht so gut gedient wie mit den laufend herauskommenden siebenprozentigen Industrieanleihen, deren Zinsen tarifbesteuert sind. Tarifbesteuert heißt in der Praxis, daß derjenige, dessen lohnsteuerpflichtiges Einkommen jährlich 24 000 DM nicht übersteigt und dessen Nebeneinkünfte (einschl. Kapitalzinsen) nicht höher als 600 DM jährlich sind, diese Zinsen völlig steuerfrei vereinnahmen kann.

Anders steht es dagegen bei den Zinsen aus den Wandelanleihen. Hier wird ohne Rücksicht auf die jeweiligen Einkommensverhältnisse des Besitzers ein Vorwegabzug von 25 v. H. Kapitalertragsteuer vorgenommen. Diese kann im Rahmen der Einkommensteuererklärung später verrechnet werden. Wer nicht veranlagungspflichtig ist, kann eine Veranlagung beantragen. Liegt er mit seinem Steuersatz in der Spitze unter 25 v. H., so bekommt er den zunächst zuviel abgezogenen Betrag vom Finanzamt zurückvergütet.

Nun werde ich mehrfach gefragt: Ist es von der Rendite her besser, AEG-Wandelanleihen oder AEG-Aktien zu erwerben? Hierauf läßt sich eindeutig antworten: Wenn Sie AEG-Aktien zum Kurs von 221 v. H. erwerben und die AEG bleibt bei ihrer Dividende von 10 v. H. stehen, dann errechnet sich die Rendite auf 4,5 v. H., erhöht die AEG ihre Dividende auf 12 v. H., so ergibt sich beim heutigen Kurs eine Rendite von rund 5,4 v. H. Die AEG-Wandelanleihe wird im Börsenfreiverkehr zur Zeit mit 143 v. H. genannt. Bei diesem Kurs stellt sich die Rendite auf 4,9 v. H. Sie ist also gegenwärtig noch höher als die der Aktien.

Nun darf man aber Aktien und auch Wandelanleihen nicht nur aus dem Gesichtswinkel der Rendite sehen. Man muß auch die anderen Momente, die den Kurs beeinflussen, betrachten. Gibt es beispielsweise ein neues Bezugsrecht, dann kommen sowohl die Besitzer von Aktien als auch die der Wandelanleihen im gleichen Verhältnis in seinen Genuß. Die Kurse beider Papiere werden also gleichmäßig beeinflußt. Ein anderer Fall: Erhöht die AEG ihre Dividende, dann ist mit Sicherheit anzunehmen, daß davon der Aktienkurs günstig beeinflußt wird. Da aber durch das Wandelrecht eine unmittelbare Verbindung zwischen den Aktien und den Wandelanleihen besteht, ziehen die Kurse der Wandelobligationen ebenfalls nach.

Wenn heute beispielsweise die Investment-Gesellschaften die AEG-Wandelanleihe für eine aussichtsreiche Anlage ansehen, dann liegt dem folgende Rechnung zugrunde: Die Stücke der Wandelanleihe kosten jetzt 143 v. H.; sie sind im Verhältnis 10 : 7 nach fünf Jahren in Aktien umtauschbar. Unter den heutigen Kursrelationen heißt das, daß die umgetauschten Aktien 204 v. H. kosten würden. Wäre der Umtausch jetzt schon möglich, käme man in den Genuß eines Kursgewinnes von rund 17 Punkten. Diese Spanne wird sich zugunsten der Wandelanleihen verkleinern, je näher der erste Termin zum Umtausch rückt. Auf diesen Kursgewinn spekulieren viele Daueranleger. Sie meinen, daß die gegenüber den Aktien geringere Rendite, die bei Dividendenerhöhungen entstehen würde, dadurch mehr als wettgemacht wird.