Über ihn ist in vortrefflicher Übersetzung eine Biographie von der Hand einer holländischen Schriftstellerin erschienen, die sich seit Jahren der Historie zugewandt hat:

Henriette L. T. de Beaufort: "Wilhelm von Oranien"; C. H. Beck Verlag, München; 268 S., 15,– DM.

Die Arbeit beruht auf ernsthaftem Studium und ist zuverlässig in allen Angaben, nimmt einen objektiven Standpunkt ohne Einseitigkeit ein und erreicht darstellerische Höhepunkte in den Charakteristiken der Hauptfiguren im Ringen um Freiheit und Unabhängigkeit der Niederlande. Das Ganze ist geschrieben mit der Herzenswärme einer klugen Patriotin, die in dem kühl rechnenden, aus politischen Erwägungen religiös toleranten Oranier das eigentlich Bedeutende und Große erkannt hat: daß er mit unerhörter Willensstärke und Zähigkeit sein ganzes Leben – zwischen zanksüchtigen Calvinisten, Lutheranern und Katholiken geschickt lavierend – der Sache des niederländischen Volkes opferte und, ehe er sein Werk vollenden konnte, durch Mörderhand sterben mußte. Das Land der Freiheit, das er schaffen wollte, sah er nur im Geist von ferne.

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Es ist belanglos, ob die Kaiserin Maria Theresia den Anti-Machiavelli des preußischen Kronprinzen gelesen hat oder nicht, denn schon sehr bald, nachdem Friedrich II. König geworden war, ließ er seiner jugendlichen Stilübung wesentlich andere Taten und Maximen folgen, die ihn in den Augen dieser als Mensch und als Herrscher wahrhaft großen Frau für immer zum "bösen Mann" Europas machten. Friedrich war sicherlich die genialere Erscheinung: ein höchst komplizierter, zwiespältiger Charakter mit dämonischen Zügen – und im Tiefsten ein verbittert Einsamer. In Maria Theresia hingegen vereinigten sich die gesunden Kräfte einer sehr weiblichen, stark mütterlichen Frau mit dem fromm-naiven Bewußtsein ihrer hohen Verantwortung für den Bestand einer traditionsschweren Dynastie.

In Friedrich steckte ein lebensfeindliches Element, das sich zu Zeiten zynisch entlud; in Maria Theresia schafften die lebensfrohe Prunklust des Barock, ihre unbeschwerte Freude an Theaterspiel und Tanz einen heilsamen Ausgleich gegen die drückende Last der Staatsgeschäfte.

Hugo v. Hofmannsthal und Carl J. Burckhardt haben uns beide liebevolle und feinsinnige Deutungen Maria Theresias gegeben, der eine mehr ihre unbeugsame Seelenstärke betonend, der andere mehr den Akzent auf das mütterlich Bewahrende legend. Daneben blieb durchaus Raum für das Verdienst eines Mannes, der uns in einem historisch klug abwägenden Werk das umfassende Bild der großen Kaiserin geschenkt hat: