Peter Reinhold: "Maria Theresia"; Insel-Verlag, Wiesbaden; 357 S., 19,80 DM.

Bei aller Verehrung für Maria Theresia übersieht Reinhold durchaus nicht ihre menschlichen Schwächen, die doch zum Gesamtbild gehören: Sie war oft eigensinniger, als politische Klugheit ihr hätte gestatten dürfen, verschwenderischer, als es die Finanzlage zuließ, und im Alter herrschsüchtiger, als ihre Familie und der Hof ohne Seufzer ertrugen – und das alles, weil sie eine große, echte Frau war!

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Daß Karl XII. von Schweden 1682 geboren wurde, ist gewissermaßen ein Anachronismus; denn er war als Persönlichkeit und König in all seinem Tun ausschließlich ein "Held", und Helden seiner besonderen Prägung gehörten von Rechts wegen nicht mehr in seine Zeit. Er wurde in ganz Europa berühmt durch abenteuerliche Siege und ebenso abenteuerliche Gewaltritte; er blieb ein Held in verzweifelten Niederlagen und jahrelanger Internierung; er brachte sein Land an den Rand völligen Ruins und kämpfte besessen weiter, bis eine mysteriöse Kugel aus dem Hinterhalt den 36jährigen Helden auslöschte.

Und sein Volk liebt ihn noch heute! Trotz und wegen seiner ebenso faszinierenden wie gefährlichen Einmaligkeit. Der kluge, skeptische Voltaire hat als erster eine Geschichte Karls geschrieben, und es bleibt erstaunlich, wie hellsichtig der rationale Franzose das Außerordentliche in dem irrationalen Schweden witterte und verstand; sein Büchlein ist noch heute eine fesselnde Lektüre. Wer sich eine moderne Biographie Karls auf breiter und wissenschaftlicher Grundlage aller Quellen wünscht, dem sei ein neues Werk dringend empfohlen:

Frans G. Bengtsson: "Karl XII."; K. F. Koehler Verlag, Stuttgart; 540 S., 19,80 DM.

Der schwedische Historiker Bengtsson ist in Deutschland bereits durch zwei Bücher rühmlich bekannt geworden; ein ernsthafter, aber keineswegs trockener Gelehrter, ein Mann, der seinen geschichtlichen Stoffen eine ungemein lebendige, gelockerte und kunstvolle Darstellung zu geben vermag und mit einem halb humorvollen, halb sarkastischen Lächeln das Getriebe der Welt betrachtet. Seine Biographie Karls des Zwölften, die in der deutschen Ausgabe aus guten Gründen gekürzt erscheint, vereinigt wiederum alle Vorzüge seines Wissens und seiner Diktion.