Ernst Falkenheim, bisher stellvertretender Vorsitzender im Vorstand der Deutschen Shell AG, ist Ende Mai aus seinem Amte ausgeschieden. Für den Mann, der vor wenigen Wochen das 60. Lebensjahr beendet hat, bedeutet das freilich nicht den Übergang zur Muße, sondern die Übernahme eines neuen und höchst bedeutungsvollen Amtes: er wird künftig in Brüssel beim Wirtschafts- und Sozialausschuß von EWG und Euratom tätig sein. Für die große Aufgabe, an der wirtschaftlichen Zusammenführung der westeuropäischen Länder entscheidend mitzuwirken, sind bei Dr. h. c. Falkenheim dank seiner Persönlichkeit und seiner umfassenden Erfahrungen aus den ökonomischen und organisatorischen Bereichen eigentlich alle nur wünschenswerten Voraussetzungen gegeben.

Es würde hier zu weit führen, die vielen Ämter aufzuzählen, in denen er – neben seiner eigentlichen Funktion als der Träger der Wiederaufbau-Arbeit bei „seiner“ Deutschen Shell also – tätig gewesen ist. Ihm war die Leitung des Mineralölwirtschaftsverbandes und des Zentralbüros für Mineralöl anvertraut; er ist Präsidial- und Vorstandsmitglied beim BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie), ist tätig in der Deutschen Gruppe der Internationalen Handelskammer, Mitgründer und Kuratoriumsmitglied des Deutschen Industrieinstituts, und er gehörte schon bisher den Arbeitskreisen für Atomfrage und für Europäische Integration an.

Für Hamburg, das dem gebürtigen Bayern zur zweiten Heimat geworden war, hat Ernst Falkenheim im Laufe der letzten zehn Jahre unendlich viel getan: beratend, anregend und helfend; dabei war sein Wirken keineswegs auf die wirtschaftlichen Bereiche beschränkt, sondern bezog sich, weit darüber hinausgreifend, zumal auf die nachhaltige Förderung vielfältiger sozialer und kultureller Entwicklungen. Das Bedauern darüber, daß Hamburg nun eine solch starke Persönlichkeit von eigenständiger Prägung verliert, wird bei den vielen Männern allgemein sein, die hier mit ihm auf diesem oder jenem Sachgebiete zusammengearbeitet und dabei vielleicht auch (was dank seinem bewundernswerten Temperament nicht ganz selten geschah...) die Klingen gekreuzt haben. G. K.