Die freien Aktionäre der Hamburger Hochbahn AG, Hamburg, deren Kapital zu 56,4 v. H. in den Händen der Hansestadt Hamburg liegt, erhalten auch für 1957 wieder die garantierte Dividende von 5 v. H. Den zur Auszahlung der Dividende notwendigen Betrag stellt der Großaktionär zur Verfügung – so steht es jedenfalls im Geschäftsbericht. Wenn man jedoch berücksichtigt, daß die Stadt in 1957 eine um 0,65 Mill. DM auf 2,2 Mill. erhöhte „Wegebenutzungsabgäbe“ von der Hochbahn erhalten hat, dann kann man ausrechnen, daß die Dividendenlast für die Hansestadt keineswegs drückend gewesen ist, denn es bleibt für den Fiskus noch ein runder Überschuß von 0,4 Mill. DM aus der Wegebenutzungsabgaben übrig.

Dennoch ist die Hochbahn für den Fiskus in diesen Jahren ein sehr teures Kind. Der Neubau einer Untergrundlinie für die Hochbahn in der Innenstadt verschlingt viele Millionen; über den endgültigen Kostenpunkt schweigt man sich aus – und muß es wahrscheinlich auch, denn bei einem derartigen Mammutobjekt mit vielen unbekannten Größen sind Kalkulationen eine besondere Sache. Jedenfalls sind bislang alle Voranschläge beträchtlich überschritten worden. Aber das ist nicht Sache der Hochbahn; das Verkehrsunternehmen hat später lediglich die Schienen-, Signal-, Fernmelde- und Beleuchtungsanlagen zu installieren, die sich teilweise bereits im Bau befinden.

Der Investitionsbedarf wird also für die nächsten. Jahre groß sein. In 1957 erforderte er 15,6 Mill. DM. Die hierzu benötigten Mittel wurden im Wege der Selbstfinanzierung aufgebracht. Die Abschreibungen auf das Anlagevermögen von 15,6 Mill. DM haben gegenüber dem Vorjahr um rund 2,4 Mill. DM zugenommen. Auf die Frage, ob es auch in Zukunft möglich sein wird, die Investitionskosten über den Fahrpreis aufzubringen oder ob Anleihen aufgenommen werden müssen, gibt der Vorstandsbericht keine Auskunft.

Interessant ist, daß die Tariferhöhung im Berichtsjahr Fahrgastabwanderungen zur Folge hatte. „Sie stammen jedoch insbesondere nur aus Personenkreisen, die zu Preisen befördert wurden, deren Leistungserlöse die Beförderungskosten nicht, mehr deckten“, so heißt es im Geschäftsbericht. In der Zeit vom 1. Mai 1957 (Zeitpunkt der Tariferhöhung) bis zum Schluß des Berichtsjahres ist die Anzahl der „Beförderungsfälle“ um 6,8 v. H. gesunken. in den ersten Monaten des neuen Jahres zeigt sich jedoch wieder ein leicht ansteigender Leistungstrend. Von der finanziellen Seite her konnte der Beförderungsrückgang gut verschmerzt werden, denn durch die Tariferhöhung ergab sich eine um rund 10 v. H. auf 105,7 Mill. DM erhöhte Einnahme aus der Personenbeförderung. Aber auch die Einrichtung neuer Schnell- und Sonderbuslinien im Kraftomnibusverkehr (deren Fahrpreise von den Kosten her kalkuliert werden) haben zu dem Einnahmeanstieg beigetragen.

Es sind jedoch nicht nur die Einnahmen, sondern auch die Kosten gestiegen, und zwar um 14,5 v. H. Teils ist diese Zunahme mit dem Anstieg der Betriebsleistungen zu erklären, teils ergeben sich Mehraufwendungen aus der Einführung der 45-Stunden-Woche und der Erhöhung der Lohn- und Gehaltstarife. – Insgesamt läßt sich die wirtschaftliche Lage der Hamburger Hochbahn AG als durchaus gefestigt ansehen; dennoch wird der freie Hochbahn-Aktionär niemals mehr als die garantierte Dividende von 5 v. H. erwarten dürfen. Er muß deshalb seine Aktie als ein „festverzinsliches Papier mit Substanzsicherung“ betrachten. Von der Rendite her ist der Erwerb beim heutigen Kurs von rund 80 v. H. gar nicht einmal so uninteressant.

K. W.