Der gutgewählte Geschmack hat immer etwas Suchendes, Versuchtes, seines Verständnisses nicht völlig Gewisses – er ist und war niemals volkstümlich. Friedrich Nietzsche

In einem, an sich wenig bedeutenden, Roman steht der Satz: „Langsam, mit müdem Schritt, ging der Bauer auf der Landstraße dem im Abendsonnenschein liegenden Dorfe zu.“ – Dazu schreibt Inge v. Wangenheim im Leipziger „Börsenblatt für den deutschen – Buchhandel“ (125. Jg., Nr. 17): „Wieso geht der Bauer mit müdem Schritt? Sind die Bauern unserer Republik müde (abgründiger Doppelsinn!)? Was ist das überhaupt für ein Bauer? Ist er Neubauer, Mittelbauer, Großbauer ... Mitglied der LPG? Oder zögert er noch? Wenn er zögert, kommt sicher daher der müde Schritt. Aber das müßte der Autor doch klar sagen! Und das Dorf ...? Im Abendsonnenschein? ‚Das Dorf‘ gibt es schon gar nicht! Das ist abstrakt. Der Autor muß mitteilen, ob es sich um ein Dorf mit genossenschaftlicher Großraumwirtschaft oder um irgendein zurückgebliebenes Kleinkleckersdorf handelt. Vielleicht arbeitet die Partei in diesem Dorfe noch schlecht? Wenn ja, dann interessiert uns der Abendsonnenschein einen Dreck!“