Mit einem 3:1-Sieg über den südamerikanischen Fußballmeister Argentinien, der als der große Favorit in die Kämpfe der 6. Weltmeisterschaft im Fußball ging, hat am vergangenen Sonntag die deutsche Nationalmannschaft, die den im Jahre 1954 in Bern errungenen Titel verteidigt, einen großartigen Start gehabt. Von dem Bundestrainer Sepp Herberger auf die Minute pünktlich in Hochform gebracht, rang sie in dem Stadion von Malmö vor über dreißigtausend Zuschauern (darunter zehntausend Deutschen) die argentinischen Ballkünstler nieder und sicherte sich so eine glänzende Ausgangsstellung für die weiteren Spiele. Jeder Spieler der deutschen Elf, die bereits in der zweiten Minute einen Minuspunkt einstecken mußte, meisterte die besonders in der zweiten Halbzeit immer wieder auftretenden gefährlichen Situationen, was um so bemerkenswerter war, als die deutsche Elf durch Verletzungen dreier ihrer Spieler zeitweise sichtlich geschwächt war. Daß die Argentinier diese Situation nicht besser auszunutzen verstanden, bleibt ein Rätsel.

Natürlich ist mit diesem Sieg Entscheidendes noch nicht gewonnen, denn gerade bei einem solchen Fußballturnier spielt das Glück eine große Rolle. So sollten wir es zunächst mit Wilhelm Buschs weiser Mahnung halten: „Wenn einer, der mit Mühe kaum gekrochen ist auf einen Baum, nun glaubt, daß er ein Vogel war, so irrt sich der!“ und nicht allzu siegesgewiß in das nächste Spiel gehen, das uns in Hälsingborg mit den Tschechoslowaken zusammenführt, die in deren erstem Kampf mit 0:1 gegen die Nordiren untergingen. Es wird auch viel davon abhängen, ob die schweren Verletzungen von Horst Eckel (Nierenprellung) und Fritz Walter (Knieschaden) nicht eine Umstellung in der Mannschaft notwendig machen.

Auch Alfred Schmidt und Stollenwerk sind angeschlagen und müssen eventuell pausieren. So weiß Herberger zur Zeit noch nicht mit Sicherheit, auf wen er sich bei dem nächsten Spiel stützen kann. Dennoch bedeutet der Sieg in Malmö eine große moralische Unterstützung und dürfte unsere Mannschaft noch sicherer und härter machen. Spielen die Tschechoslowaken nicht besser als gegen Nordirland, sollten sie uns den Weg in die nächste Runde wohl nicht blockieren können.

Die beiden deutschen Torschützen waren Helmut Kahn, der schon 1954 in Bern brillierte und sich auch diesmal wieder, trotz mancher Eigenwilligkeiten, von einer glänzenden Seite zeigte, und der junge Hamburger Uwe Seeler, der sich in diesem 250. Länderspiel des Deutschen Fußball-Bundes grandios in die Weltklasse hineinstürmte und somit seine lange umstrittene Aufstellung brillant rechtfertigte. Kurz zusammengefaßt darf man wohl sagen, daß die deutsche Mannschaft ihr in der Geschichte des DFB bisher bestes Spiel lieferte, dem auch alle ausländischen Sachverständigen das höchste Lob zollten.

Eröffnet wurde die Weltmeisterschaft im Stockholmer Stadion durch den schwedischen König Gustaf Adolf VI., der dem Spiel Schweden gegen Mexiko zuschaute und einen 3:0 – Sieg seiner Landsleute miterlebte. Das interessanteste Spiel neben dem Treffen Deutschland–Argentinien dürfte wohl der englisch-russische Zweikampf in Göteborg gewesen sein, der sozusagen im letzten Augenblick unentschieden mit 2:2 ausging, nachdem lange Zeit hindurch die mit vielen technischen Delikatessen aufwartenden Russen mit zwei Pluspunkten geführt hatten und sich schon eine katastrophale Niederlage der Engländer anzukündigen schien. Die übrigen Sieger der Turnierspiele waren Brasilien, das Österreich 3 : 0 schlug, und Frankreich, das über Paraguay 7 : 3 triumphierte. Die Partien Jugoslawien-Schottland und Ungarn-Wales gingen mit je 1:1 unentschieden aus. Insgesamt werden 24 Gruppenspiele ausgetragen. Die beiden besten Mannschaften aus jeder der vier Gruppen werden dann am 19. Juni das Viertelfinale bestreiten. Die Sieger gehen am 24. Juni ins Halbfinale, am 28. Juni wird in Göteborg um den dritten Platz gekämpft, und wer dann übrigbleibt, tritt am 29. Juni in Stockholm zum Endspiel an. W. F. K.