Und 1929 erschienen: John Steinbecks Erstling Cup of Gold; William Faulkners vierter, und zugleich erster großer Roman, The Sound and the Fury; Thomas Wolfes Look Homeward Angel; und schließlich der Roman von Ernest Hemingway, den viele (darunter ich) auch heute noch für seinen besten halten: A Farewell to Arms, gerade jetzt auf deutsch in 4. Auflage (89.–113. Tausend) erschienen:

Ernest Hemingway: "In einem andern Land"; Rowohlt Verlag, Hamburg, ro-ro-ro Nr. 216; 224 S., 1,90 DM.

Fragt man literarisch bewanderte Amerikaner nach modernen Romanciers, will man von Nachkriegsautoren hören, so sind die Reaktionen denen, die wir in Deutschland als betrüblich empfinden, gar nicht unähnlich: Schweigen auf der einen Seite und Widersprüche auf der anderen.

Eine ungebrochene Tradition von nunmehr 126 Jahren aber hat diejenige literarische Gattung aufzuweisen, die zweifellos berechtigten Anspruch darauf erhebt, als Amerikas Beitrag zur Weltliteratur bezeichnet zu werden: die Kurzgeschichte.

Der Akribie amerikanischer Literarhistoriker haben wir ein exaktes Datum zu verdanken: als erste "richtige" Kurzgeschichte bestimmten sie Poes am 14. Januar 1832 veröffentlichten "Metzengerstein". Der Name allein verrät, was Poe-Kenner in vielen Einzelheiten auszuführen wissen: daß auch Deutschland mitgewirkt hat bei der Entstehung der amerikanischen short-story (diese Bezeichnung ist jünger als das Bezeichnete; sie stammt aus einer gelehrten Studie über "Die Philosophie der Kurzgeschichte" aus dem Jahre 1885). Jenes Element des grotesk Grauenvollen, das in der angelsächsischen Welt "gotisch" genannt wird, hatte Poe in den heute kaum mehr gelesenen Erzählungen der deutschen Romantik gefunden.

Zu solchem Überblick sah ich mich angeregt durch zwei Sammlungen amerikanischer Kurzgeschichten, denen sich aber auch Verdienstvollere nachsagen läßt.

Da sind zunächst zwei Bände