B. R.-H., Düsseldorf

Es irrt sich, wer da glaubt, die Baracken-Zeiten seien vorbei: Düsseldorf brütet zur Zeit über taufrischen Baracken-Projekten. Im Süden der Stadt, am Schwarzen Weg in Benrath, sollen bis zum ersten Oktober dieses Jahres auf einem Kleingartengelände zweigeschossige Notquartiere für 1200 Zonenflüchtlinge gebaut werden.

Baracken statt Wohnungen für Flüchtlinge? Düsseldorf ist seit Jahren mit seinem Aufnahme-Soll von Zonenflüchtlingen in erschütterndem Rückstand. Die Zahl der Zugeteilten stieg in den letzten 36 Monaten auf rund 8000 Menschen. Die Stadt ist verpflichtet, für deren menschenwürdige Unterbringung zu sorgen; dafür stehen auch Bundes- und Landesbeihilfen zur Verfügung. Düsseldorfs Stadtväter aber nahmen diese zweckgebundenen Gelder bisher nicht in Anspruch, sondern baten inständig und stetig um Aufschub: Weil Bauland so knapp... weil die Grundstückspreise ständig stiegen... weil die Finanzierung nicht gesichert sei...

Nun hat das Land Nordrhein-Westfalen der Stadt die Pistole auf die Brust gesetzt. Die Landesregierung verlangt, daß bis Oktober Heimstätten für zunächst einmal 1200 Betroffene geschaffen werden. Wird wiederum nichts getan, so droht die Einsetzung eines Staatskommissars, der vermutlich ohne viel Federlesen durchgreifen wird. Wirksamer als diese Drohung war freilich der Wink mit dem finanziellen Zaunpfahl: Wird der Termin nicht eingehalten, so gibt es 200 Mark weniger Landesbeihilfe pro unter Dach und Fach gebrachten Kopf.

So verfiel die Stadt, die nun im Hurra-Tempo durchpeitschen will, was sie seit Jahren auf die lange Bank geschoben hat, auf das unerfreuliche Barackenprovisorium. Es kostet den Stadtsäckel jetzt zusätzlich zur Landesbeigabe von 1,5 Millionen DM mindestens 800 000 DM für die Aufschließung des Geländes – oder „einiges mehr“, wie Stadtplaner Professor Tamms, durch Erfahrung gewitzigt, vorbeugend kalkuliert. Woher dieses Geld nehmen, ist noch die Frage. Nach Oberstadtdirektor Dr. Hensel lehnt es die Verwaltung ab, „städtische Wohnungsgelder zur Erfüllung von Bundesaufgaben abzuzweigen“.

Die Stadtväter werden dem Projekt wohl zustimmen (obwohl die Anlieger der geplanten Barackenplantage im Schloß-Vorort Benrath Zeter und Mordio schreien): Sie haben sich in eine Zwangslage manövriert und meinen, wenn schon gebaut werden müsse, dann eben ganz husch-husch, damit es wenigstens mehr Geld aus der Landeskasse gibt...