Man sollte es nicht für möglich halten. Aber der Herr auf Zimmer 7 im „Goldenen Schwan“ des Städtchens A (aber es könnte auch B sein) hatte ganz gegen seine Gewohnheit vergessen, ein „ruhiges“ Zimmer zu bestellen. So kam es, daß er zwar eine rührende Aussicht auf die alten Fachwerkhäuser rings um den Marktplatz vorfand, aber selbst gegen 22 Uhr, als diese romantische Szenerie auch noch ins Silberlicht des Mondes getaucht war, hörte er das Plätschern des Brunnens nur selten. So belebt ist um diese Zeit noch der Durchgangsverkehr, zumal die Bundesstraße erst im nächsten Jahr um das Städtchen herumgeleitet werden soll. Gegen zwei Uhr nachts taumelten Betrunkene mit maßlosem Stimmaufwand am Gasthof vorbei. Gegen vier Uhr nutzte ein Motorradfahrer die lohnende Akustik. Gegen halb fünf Uhr setzten sich zwei Fernlaster und ihre Anhänger mit bekannter Kraftentfaltung in Bewegung. Ab fünf, halb sechs Uhr nahm die Zahl der vorbeifahrenden Verkehrsmittel merklich zu. Um sieben Uhr weckte das Zimmermädchen den wachen Gast.

Eigentlich naheliegend, daß der Herr auf Zimmer 7 beim Frühstück um die Zuteilung eines ruhigen Zimmers bat und sich in den Herrn auf Zimmer 18 verwandelte. Es lag im hinteren Teil des Hauses, war billiger – und frei vom Straßenlärm. Das Bett allerdings ließ zu wünschen übrig. Am Schrank fehlte der Schlüssel, und wenn man den Kleiderbügel, mit dem Mantel darüber, hineinhängte, fiel auch die Querstange mit in die Tiefe. Der Gummiverschluß im Waschbecken hatte sich selbständig gemacht; ein sinnlos herabhängendes Kettchen sehnte sich nach ihm.

Moral: Es dürfte sich in Hotels, Gasthöfen und Pensionen empfehlen, dem rückwärtigen Appartement mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Schon bei der Planung und bei der Inneneinrichtung und spätestens beim Neubau. – Aber auch an der Straßenseite könnte der Lärm durch zuverlässige Doppelfenster (neuester Konstruktion natürlich!) etwas gedämpft werden. Selbst „bestrenommierte“ Häuser lassen da noch einiges zu wünschen übrig. w. k.