Wenn die Resolutionen keinen Erfolg haben, die der Kreis Garmisch-Partenkirchen an den Bundesverteidigungsminister, die bayerischen Kabinettsmitglieder und den Bayerischen Landtag gerichtet hat, dann werden die Feriengäste dieser schönen Gegend künftig das Vergnügen haben, ihr etwaiges Bedürfnis nach aufmunterndem Lärm völlig kostenlos befriedigt zu sehen oder vielmehr: zu hören. Anders Gesonnene freilich, die in ihrem Urlaub nicht unbedingt mit Getöse geplagt sein möchten und noch weniger täglich daran erinnert werden möchten, daß schon wieder fleißig auf den nächsten Krieg trainiert wird, werden es vorziehen, ihre Erholung anderswo zu suchen.

Die Bundeswehr hat den wirklich phantasievollen Einfall gehabt, im Gebiet des Krottenkopfes, eines der beliebtesten Ausflugs- und Aussichtsberge, ausgerechnet einen Übungs- und Schießplatz anlegen zu wollen. Zwar erinnert sich wohl der eine oder andere aus seiner Knabenzeit, daß es ihm viel Spaß machte, wenn auf der Roßtrappe im Harz für zehn Pfennig eine Pistole abgefeuert wurde, um das zwölffache Echo (also jedes Echo nicht einmal einen Pfennig!) aus dem Felsengebirge hervorzulocken. Wieviel grandioser muß erst der Effekt sein, wenn Kanonenschläge am laufenden Band an die zerklüfteten Wände und Türme der Alpenriesen krachen! Allein – inzwischen haben die Knaben von der Roßtrappe zwei Weltkriege hinter sich gebracht, und die Begeisterung über Schießlärm ist wesentlich zurückgegangen. Die Bundeswehr sollte sich den Fall noch einmal freundlichst überlegen... Horcher