Auch für das Geschäftsjahr 1957 blieb die Demag AG, Duisburg, wieder bei ihrem Dividendenvorschlag von 10 v. H. auf das inzwischen erhöhte Grundkapital von 84 (66) Millionen DM. Mit diesem Dividendensatz muß das Unternehmen – das zu den größten deutschen Firmen der sogenannten Ausrüstungsindustrie gehört und hauptsächlich Hüttenanlagen, Schwermaschinen und Großkräne herstellt, darüber hinaus aber auch maßgeblich im Brücken- und Stahlhochbau sowie im Reaktorbau tätig ist –, zwar mehr aufwenden als bei der gleichen Ausschüttung im Vorjahre, die Demag hat aber auch ganz offensichtlich ein besseres Ergebnis erwirtschaftet als in 1956. Das Betriebsergebnis ist allerdings systematisch über die Bilanz verteilt worden und kommt in dem von 7,1 auf 8,9 Mill. DM erhöhten ausgewiesenen Reingewinn nicht allein zum Ausdruck.

Die Demag hat mit ihrem Bruttoumsatz von einer 3/4 Milliarde den bisher höchsten Stand erzielt. Jedoch ist auch bei diesem Unternehmen, wie in der gesamten Branche, das Verhältnis zwischen Auftragseingängen und Umsätzen tendenziell rückläufig gewesen. Während in den Jahren seit 1948 die Auftragseingänge ständig über den jeweiligen Umsätzen lagen, hielten sie sich im Berichtsjahr wiederum, wie auch in 1956, nahezu die Waage. Der gesamte Auftragseingang des Berichtsjahres lag um 16 v.H. unter dem des Jahres 1956. Wie der Geschäftsbericht des Unternehmens betont, haben diese Verhältnisse in gewissem Umfang „zufällligen Charakter“, der sich aus den Eigenarten des Großanlagengeschäftes erklärt. Der hohe Auftragszugang 1956 sei auf die Hereinnahme eines einzelnen 100-Mill.-Geschäfts zurückzuführen gewesen, der hohe Umsatz 1957 dagegen auf die Fakturierung eines Auftrags ähnlicher Größenordnung, der aus politischen Gründen nicht mehr in 1956 ausgeliefert werden konnte und deshalb dem Umsatz des Berichtsjahres zugute gekommen sei.

Das Unternehmen hat sich, um einen Ausgleich für das ruhige Inlandgeschäft zu erreichen, erfolgreich um eine Intensivierung der Exporte bemüht. Hierbei haben sich jedoch – besonders in Übersee – eine scharfe Konkurrenz und gegenüber vielen Ländern sehr ungünstige handelspolitische Verhältnisse erschwerend ausgewirkt, so daß 1957 der Auftragseingang aus dem Ausland um 30 v. H. unter dem des Vorjahres lag. Beim Exportumsatz zeigte sich das umgekehrte Bild: Er stieg von 38 v. H. in 1956 auf 51 v.H. des Gesamtumsatzes. Im Auftragseingang aus dem Ausland blieb das Überseegeschäft merklich zurück. Der Europaanteil dagegen stieg auf fast 60 v. H., gegenüber nur 32 v. H. in 1956.

Als Folge der verschärften Konkurrenzsituation auf den Auslandmärkten wird im Demag-Bereich ein merkliches Nachlassen der Anfragetätigkeit für Geschäfte mit normalen Zahlungsbedingungen oder mindestens erfüllbaren Finanzierungswünschen registriert. Der Geschäftsbericht führt aus, daß „die betreffenden Obiekte entsprechend umkämpft“ werden.

In diesem Zusammenhang weist das Unternehmen darauf hin, daß die von Seiten der Bundesregierung Ende 1956 eingeführten Maßnahmen zur Erschwerung des Kapitalgüterexportes nicht mehr zeitgemäß seien. Bei diesen Versuchen, die Ausfuhr zu bremsen, sei übersehen worden, daß sich schon seit geraumer Zeit die Exportsituation für Kapitalgüter auch ohne Zutun deutscher öffentlicher Stellen verschlechtert hat. Die Demag begrüßt es, daß im April dieses Jahres die Mindestquote der Selbstbeteiligung beim Konvertierungs- und Transferrisiko von 25 v. H. wieder auf 20 v. H. herabgesetzt worden ist. Aber es müsse erreicht werden, daß die Selbstbeteiligungssätze beim rein politischen, insbesondere aber auch bei den Konvertierungs- und Transferrisiken mindestens wieder auf den bis August 1956 gültigen Satz von 15 bzw. 10 v. H. zurückgeführt werden.

Obwohl die Demag auf Grund eines, die Beschäftigung für mehrere Monate sichernden Auftragsbestandes dem laufenden Geschäftsjahr eine „befriedigende Prognose“ stellt, macht der Geschäftsbericht die Einschränkung, daß „Aussichten und Beschäftigung von den Investitionsmöglichkeiten der eisenschaffenden Industrie, des Bergbaues und der Bauindustrie abhängen“. Die gegen Ende 1957 durch das Absinken der Exporterlöse nachlassende Ertragskraft der westdeutschen Stahlindustrie wirkt sich, wie das Unternehmen bedauernd hervorhebt, bereits in einer „starken Zurückhaltung der Hüttenwerke auch gegenüber reifen Investitionsprojekten“ aus. Die Erhaltung und Stärkung der Ertragskraft und damit der Investitionsfreudigkeit bei Eisen, Stahl und Kohle als Auftraggeber für große Zulieferbereiche der Wirtschaft ist für die Demag in einer Periode konjunktureller Abschwächung begreiflicherweise von ganz besonderer Wichtigkeit.

Ein erheblicher Teil der Kostensteigerung auf Grund von Lohn- und Gehaltserhöhungen, Arbeitszeitverkürzungen sowie vermehrter Sozialaufwendungen konnte durch den Rationalisierungseffekt aufgefangen werden. In ihm tragen nicht zuletzt die hohen Investitionen des Unternehmens, die auch im Berichtsjahre eine Rekordhöhe erreichten, ihre Früchte. Die Demag hat seit der Währungsreform 160 Mill. DM investiert. Die Abschreibungen und Abgänge betrugen demgegenüber rund 97 Mill. DM. Die Differenz von 63 Mill. DM wurde durch zwei Kapitalerhöhungen von zusammen 41,6 und auf dem Wege der Eigenfinanzierung aufgebracht. Der Vorstand des Unternehmens beklagt die bei dem Tempo der technischen und wirtschaftlichen Entwicklung als unzureichend anzusehenden Abschreibungen. Dabei weist er darauf hin, daß als Aufwand für den Ersatz der am Währungsstichtag vorhandenen Maschinen ein Betrag aufgewendet werden mußte, der ein Vielfaches darstellt von den noch verfügbaren Restabschreibungen dieser ausgeschiedenen Maschinen.