Die gastronomische Terminologie ist um einen wichtigen Begriff erweitert worden. Kannten wir bisher Kellner, Mamsells, Pikkolos, Zigarettenboys und noch die feineren Dienstbezeichnungen des Hotelfachs, so hat die Europäische Motel-Föderation jetzt den „Motelmann“ erfunden. Die Idee des Motels (von denen es schon 77 in Europa gibt) ist bekanntlich die, nicht nur dem Fahrer, sondern auch dem Fahrzeug Unterkunft und Service zu geben. Für „Pferd und Cowboy“ nannte ein Amerikaner diese Herbergen, so daß der Motelmann eine Mischung von, nun ja, Stallbursche und Oberkellner darstellt. Diese Neuigkeit wurde auf der Generalversammlung der Europäischen Motelföderation in Hamburg mitgeteilt.

Wie Dr. Roberto La Francesca, ein Vertreter Italiens, berichtete, hat sein Land, in dem sich 31 Motelbetriebe – das sind die meisten in Europa – befinden, eine Motelmann-Schule eingerichtet. Die Schule wurde vom italienischen Automobilclub, dem die Mehrzahl der italienischen Motels gehören, ins Leben gerufen. Mit Sitz in Cotilia, hat die Schule 48 Schüler im Alter von 14 bis 16 Jahren aufgenommen. Ein Blick in den Stundenplan zeigt, daß neben zwei Fremdsprachen, allgemeine Geographie, technische und praktische Hotelkunde, berufliche Hygiene, kaufmännisches Rechnen, Lebensmittel- und Weinkunde, bürgerliches und soziales Recht, „Berufsmoral und Lebenskunst“ (da macht sich der amerikanische „Lebensreformer“ Dale Carnegie bemerkbar), Psychologie des Kunden und motortechnisches Wissen vermittelt werden sollen.

Die Ausbildung dauert zwei Jahre. Danach erhält der Absolvent ein Diplom über seine besondere Befähigung zum Motelmann. Dieses Zeugnis wurde ausdrücklich vom italienischen Arbeitsministerium anerkannt. Im nächsten Jahr sollen zwei weitere Motelmann-Schulen in Italien eröffnet werden. Die eine soll für die berufliche Vervollkommnung der Absolventen der Grundschule in Cotilia sorgen, die nach einer fünfjährigen praktischen Arbeitszeit zur Leitung eines Motels befähigt werden sollen. Die andere Schule wird vor allem verkehrstechnische Kurse abhalten.

Deutschland hat zu der kontinentalen Motelkette von Stockholm bis Palermo bisher nur zwei Glieder beigesteuert, so daß wir bei uns zu Lande wohl noch etwas auf die Wundermänner warten müssen, die Ebenso gut mit der Sektflasche wie mit dem Benzinschlauch umzugehen wissen. g. sp.