– ag., Stuttgart

Im Stuttgarter Talkessel herrscht dicke Luft: Die Stadt kann es, was ungesunde Atmosphäre betrifft, zuweilen mit den Industriegebieten aufnehmen. Wer es sich leisten kann, der nimmt seine Wohnung am oberen Rand des Kessels, oberhalb der Dunstglocke. Wer es sich nicht leisten kann, flüchtet hinaus in die Umgebung: daß sich Stuttgarter in zwanzig Kilometern Entfernung vom Stadtkern ein Häuschen bauen, ist keine Seltenheit. Denn in Stuttgart hapert es auch mit der natürlichen Ventilation. Sind die hohen Talwände ohnehin schon ein Sammelbecken der schlechten Luft und ein Hindernis für den reinigenden, frischen Wind, so hat die dichte Hangbebauung in den letzten Jahrzehnten die natürliche Klimaregulierung noch mehr beeinträchtigt. Jetzt ist es schwer, das Versäumnis der Stadtplanung gutzumachen; aber es soll versucht werden. Das Motto des jährlichen Wettbewerbs im Bundesgebiet „Hilfe durch Grün“ ist in der Neckarmetropole zur hygienischen Forderung geworden: Man will Frischluftschneisen in den Häuserwald schlagen.

In merkwürdigem Gegensatz dazu steht allerdings die Tendenz, den Rosensteinpark in der Nähe des Bahnhofs immer mehr anzuknabbern. Mit dem Bau eines Omnibusbahnhofs hat es angefangen, eine Straße ist auf Kosten des Parkes verbreitert worden, ein Bahnpostamt ist auf dem Gelände des Parks projektiert, und nun ist der Plan aufgetaucht, eine Bundesstraße quer durch den Park zu führen.

Gelegenheit zu einer großzügigen Verbesserung der Grünanlagen im Zentrum bieten die Vorbereitungen zur Bundesgartenschau 1961 in Stuttgart. Der Anfang ist unlängst mit einem Ideen Wettbewerb gemacht worden. Die Organisationswut, die sich der Umkrempelung der Anlagen bemächtigt, läßt freilich allzusehr den Ausstellungsspektakel und zuwenig die „Hilfe durch Grün“ erkennen.