Ein Papier für kapitalkräftigere Anleger

Bitte, meine verehrten Leser, lassen Sie sich durch diese Überschrift auch dann nicht abschrecken, wenn Sie glauben, sich nicht zu den "kapitalkräftigeren Anlegern" zählen zu dürfen. Selbst wenn Sie nicht die Absicht haben oder nicht in der Lage sein sollten, Television-Electronics Shares zu erwerben – denn von ihnen soll hier die Rede sein –, dann ist es für Sie vielleicht doch ganz nützlich, einen Blick auf den Wertpapiermarkt in den USA zu werfen. Andere Völker, andere Sitten – das gilt auch für die Börse und ihre Usancen (Börsenbedingungen). Mit der amtlichen Einführung der holländischen Philips-Aktien ist der erste wesentliche Schritt zur Internationalsierung des deutschen Börsengeschäfts getan worden. Ich bin sicher, daß über kurz oder lang andere große Weltfirmen ebenfalls ihre Aktien an den deutschen Plätzen notieren lassen. Um so wichtiger ist es, wenigstens die wesentlichsten Bedingungen zu kennen, die es beim Erwerb ausländischer Wertpapiere zu beachten gilt. Es gibt verschiedene Abweichungen, die Sie wissen müsset!

Bei den Shares (Anteilen oder Aktien) des Television-Electronics (Fund oder Fonds) handelt es sich – wenn man deutsche Verhältnisse zum Vergleich heranzieht – um Investmentzertifikate. Das Fondsvermögen ist vornehmlich in Aktien solcher Gesellschaften angelegt, die sich

– wie der Name bereits sagt – auf Gebieten der Television (Fernsehen) und der Electronic betätigen. Besonderes Gewicht legte die Gesellschaft, der ein Gremium von Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Elektrotechnik beratend zur Seite steht, auf Aktien von Gesellschaften der elektronischen Industrie, die sich mit der Herstellung von .Büromaschinen, Instrumenten sowie Meß- und Kontrollgeräten befassen. Gleichzeitig wurden die Anlagen in Werten, die durch eine eventuelle Einschränkung der Rüstungsaufträge weniger berührt werden, erhöht. Die Auswahl der Fondswerte erfolgt durch einen Ausschuß qualifizierter -Börsen- und Finanzfachleute. Um günstige Anlagechancen jederzeit wahrnehmen zu können, unterhält der Fonds einen namhaften Bestand kurzfristiger Staatsanleihen und ähnlicher Wertschriften. Zusammenfassend läßt sich sagen, daß sich der Fonds auf einem Gebiet betätigt, das auch in Zeiten der Recession günstige Aspekte bietet. Infolgedessen hat sich die schwache Börsentendenz auf den Wert des einzelnen Shares weniger ausgewirkt, als es auf die Masse der Aktienkurse der Fall war.

Und damit sind wir schon bei dem Thema, das den, Anleger am meisten interessiert: Wie ist die Kursentwicklung zu beurteilen? Welche Rendite ist zu erwarten? Wie ist die steuerliche Behandlung der ausgeschütteten Erlöse?

Vorweg muß ich Ihnen sagen, daß natürlich in Dollar gerechnet werden muß, denn es handelt sich um einen amerikanischen Fonds. Am 1. August 1956, als erstmals in der Bundesrepublik Television-Shares verkauft wurden, mußte man für 1 Share 13,70 $ bezahlen (bei einem Kurs von 4,20 DM je $ ergibt sich also ein Preis von 57,54 DM). Im Juli 1957 wurde der bisher höchste Stand mit 14,04 $ (58,97 DM) erreicht, der niedrigste im Dezember 1957 mit 10,41 $ (43,72 DM). Heute ist der Kurs wieder auf 11,67 $ (49,01 DM) gestiegen. Er ist also vom höchsten Stand noch ziemlich weit entfernt. Kommt es im nächsten Jahr zu einem wirklichen Abbau der Recession, dann dürfte der Kurs der Shares davon nicht unerheblich profitieren.

Was müssen Sie nun unternehmen, um Television-Shares zu erwerben? Kaufaufträge nimmt jede Bank entgegen. Dort zahlen Sie den Dollar-Ausgabepreis, der täglich in Zeitungen mit namhaftem Wirtschaftsteil veröffentlicht wird. Sie können natürlich in D-Mark bezahlen; Ihre Bank wird dann die Dollars zum Tageskurs für Sie besorgen. Im Hinblick auf die schwierigen amerikanischen Vorschriften und die im Vergleich zu den deutschen Verhältnissen hohen Depotgebühren in den USA läßt das deutsche Bankenkonsortium, das den Absatz der Television-Shares in der Bundesrepublik betreibt, unter dem Namen einer Bank des Konsortiums die Shares bei einer Bank in New York hinterlegen. Sie erhalten in der Regel nur eine Gutschrift. Selbstverständlich kann auch eine andere Verwahrart gewählt werden und schließlich ist auch die Auslieferung effektiver Stücke möglich, doch ist dieses Verfahren einmal aus Kostengründen nicht zu empfehlen, zum anderen muß bedacht werden, daß die Shares auf den Namen des jeweiligen Inhabers lauten. Das erschwert eine etwaige Erbschaftsregelung.

Nun zur Rendite. Das Geschäftsjahr des Fonds läuft vom 1. 11. bis 31. 10. Dividendenausschüttungen erfolgen vierteljährlich. Am 30. 11. eines jeden Jahres werden neben den Vierteljahres-Dividenden die im Laufe des ganzen Geschäftsjahres realisierten Kursgewinne mit ausgeschüttet. So erhielten die Shares-Inhaber im Geschäftsjahr 1957 0,366 $ Dividende und 0,557 $ Ausschüttung aus dem im Vorjahr erzieltem Kapitalgewinn per 31. Oktober. Unter Zugrundelegung eines Ausgabepreises von 11,25 $ stellt sich die Rendite auf 8,09 v.H.

Ein Papier für kapitalkräftigere Anleger

Die getrennte Aufführung von Dividendenerträgnissen und realisierten Kursgewinnen ist aus zwei Gründen wichtig:

1. Auf Wunsch kann an Stelle einer Barausschüttung der Kapitalgewinne deren Wiederanlage in einer entsprechenden Anzahl von Television-Shares erfolgen. Die Abrechnung solcher aus Erträgnissen bezogenen Shares wird unter Einräumung eines Rabattes von 8 1/4 v. H. auf den jeweiligen Ausgabepreis vorgenommen.

2. Die ausgeschütteten Kapitalgewinne sind in den USA und in der Bundesrepublik steuerfrei, während die Dividendenerträgnisse in den USA einem 30prozentigen Steuerabzug unterliegen. In der Bundesrepublik sind diese amerikanischen Dividendeneinkünfte dann steuerfrei. Die amerikanischen Bruttodividenden werden nur zur Ermittlung des Steuersatzes (Progression) für das übrige deutsche Einkommen diesem hinzugerechnet. Von dem 30prozentigen Steuerabzug erhalten Sie vom deutschen Finanzamt auch dann nichts zurück, wenn Ihr Steuersatz in der Spitze unter 30 v.H. liegt. Das macht für den kleineren und mittleren Einkommenbezieher die Anlage weniger interessant. Deshalb glaube ich, in unserem heutigen Gespräch in erster Linie die kapitalkräftigeren ZEIT-Leser ansprechen zu müssen.

Zum Schluß noch der Verkauf. Genau wie bei den deutschen Investment-Zertifikaten erhalten Sie bei einer Veräußerung nicht den veröffentlichten Preis, sondern nur den sogenannten Inventar-Wert in Dollar vergütet. Er liegt um die bereits erwähnten 8 1/4 v.H. (gerechnet auf den jeweiligen Ausgabepreis) niedriger. Für deutsche Verhältnisse ist das ein relativ hoher Satz, aber in den USA sind die Spesen allgemein höher. Wie mir gesagt wurde, ist man auch von Fall zu Fall bereit, kulantere Bedingungen beim Verkauf zu machen. Das kommt natürlich nur für langfristige Anleger in Frage. Television-Shares sind keine Spekulationswerte – und sollen es (genau wie deutsche Investment-Zertifikate) auch nicht sein.

Sollten Sie weitere Fragen über den Handel mit Television-Electronics-Shares haben, stehe ich Ihnen selbstverständlich jederzeit zur Verfügung. Ihr Securius