Von Fritz Ernst

In den Nummern 18, 19 und 20 der ZEIT veröffentlichten wir drei Artikel des Heidelberger Historikers Professor Dr. Fritz Ernst zum Thema „Die Deutschen und ihre jüngste Geschichte“. Hier bringen wir einen abschließenden Bericht dazu, in dem der Autor einige Sätze nachträgt, die von ganz besonderer Wichtigkeit schienen, und auf einige Leserbriefe zu seinen Artikeln eingeht.

Zuschriften gab es zahlreiche. Aber nicht nur sie veranlassen mich, noch einmal kurz etwas zu sagen.. Ein unglücklicher Stern stand über dem Abdruck des dritten meiner Artikel, wo dem Raummangel ein paar Stellen zum Opfer fielen, die ich für wichtig hielt.

Wörtlich möchte ich zunächst nachholen, was ich zu den Leistungen der deutschen Soldaten des zweiten Weltkrieges hatte sagen wollen: „Hier sind Taten getan und Leiden erduldet worden (wie übrigens auch in der Heimat), die sich mit vielem messen können, was die Kriegsgeschichte unseres Volkes bisher verzeichnet hat, mit Verdun, der Somme und Flandern.“

Als ich von der gefährlichen Methode sprach, mit der man die Kriegsgefangenen „siebte“, sollte es heißen: „Und nun waltet wieder das Mißverhältnis zwischen dem Erlebnis und dem Horizont des einzelnen und dem Zusammenhang des Ganzen. Wer sich hier ungerecht behandelt fühlte und wer hier mißhandelt wurde, der mußte schon viel Distanz und Bildung aufbringen, um das in das große Geschehen einzuordnen, in die Folgen der Hitlerschen Politik der Ausrottung der Juden, der Mißhandlung der Polen und Tschechen, um nur von diesen Völkern zu sprechen.“

Zum Patriotismus sagte ich, man solle getrost das Nationale hervorheben. Aber: „Wir sollten nun auch nicht Einfach das besonders Grauenhafte des Hitlertums wegzunivellieren versuchen. Auch wenn die anderen ihre Fehler machten und machen und auch wenn heute totalitäre Staatsformen in der Welt im Vormarsch scheinen. Patriotismus heißt, daß man von seinem eigenen Volke Hohes fordert, aber nicht, daß man alles verteidigt, was in seinem Namen geschehen ist. Man muß an einem großen Bilde messen. Der Nationalismus Hitlers beruhte doch im wesentlichen auf seinem zynischen Menschenbild. Daher wurde es ihm auch so leicht, das deutsche Volk zu verdammen, bevor er es in dem Elend verließ, in das er es gestürzt hatte.“

Am stärksten war das Echo auf die Behandlung der Dolchstoßfrage. Ich bin selbst in den sehr einfachen Bildern vom Dolchstoß und vom ersten Weltkrieg aufgewachsen, wie sie damals die bürgerliche Jugend auf vielen höheren Schulen mitbekam.