Die „jungen Leute“, die die amerikanische Muttergesellschaft vor einigen Monaten nach Köln schickte, um die dortige Tochter, die Ford-Werke AG, Köln-Niehl, zu stärken, sind ehrlich: Finanzdirektor Robert G. Layton gab vor der Presse unumwunden zu, daß seine Gesellschaft das Jahr 1957 mit einem Verlust abschließe, der nur dadurch nicht in voller Höhe sichtbar wird, daß die Gewinn- und Verlustrechnung durch die Auflösung eines Betrages von 6,7 Mill. DM aus der Sonderrücklage für Anlageerneuerung ausgeglichen wird. Die Gesellschaft ist nicht in der Lage, ihrer Hauptversammlung am 27.Juni eine Dividende vorzuschlagen. Freilich tut dies heute keinem mehr besonders weh, weil ohnehin rund 98 v. H. des Aktienkapitals von 120 Mill. DM in Händen der amerikanischen Muttergesellschaft sind.

In dem Abschluß für 1957 kommen die hohen Investitionen der Gesellschaft während der vergangenen Jahre zum Ausdruck. Von dem 1955 aufgestellten Investitionsprogramm in Höhe von rund 200 Mill. DM entfielen allein 100 Mill. DM auf das Berichtsjahr. Die voraufgegangenen Investitionen (einschließlich der im Berichtsjahr vorgenommenen) dienten vor allem der Erweiterung der Produktionskapazität, die inzwischen von 240 auf 450 Einheiten gesteigert werden konnte. Zu Ende des Berichtsjahres waren die Erweiterungsinvestitionen im großen und ganzen abgeschlossen. Im Gegensatz zu manchen Erwartungen, die sich an den jüngsten personellen Wechsel in der Verwaltung der Ford-Werke knüpften, ist, wie Finanzdirektor Layton betonte, in absehbarer Zeit mit weiteren stürmischen Investitionen zur Kapazitätserweiterung nicht zu rechnen. Für die nächsten zwei bis drei Jahre veranschlagt man insgesamt einen Betrag von 100 Mill. DM. Ob man auf längere Sicht und unter dem Einfluß des Gemeinsamen Marktes neue größere Investitionsprojekte in Angriff nehmen wird, kann die neue Verwaltung heute noch nicht sagen.

Die Ertragslage ist in 1957 von den Kapazitätserweiterungen, die zur Marktfestigung der Gesellschaft sicherlich notwendig waren, noch nicht beeinflußt worden. Technisch wirkten sich diese Investitionen erst zu Ende des Berichtsjahres aus. Wirtschaftlich wurde das Ertragsbild vor allem durch die mit der Betriebserweiterung und den Modellwechsel (17 M) verbundenen betrieblichen Umstellungs- und Anlaufkosten ungünstig beeinflußt. Infolge der erheblichen Investitionen erhöhten sich die degressiven Abschreibungen auf 41,6 Mill. DM gegenüber 23,8 Mill. DM im Vorjahr. Es ist ein Verlust von 6,7 Mill. DM entstanden, der durch die Teilauflösung der Sonderrücklage und durch einen kleinen Gewinnvortrag ausgeglichen wird. Im Vorjahr wurde ein Gewinn von 4,30 Mill. DM zuzüglich 0,85 Mill. DM Gewinnvortrag ausgewiesen. Die Bilanz läßt jedoch erkennen, daß die Erklärungen der Verwaltung, die innere Gesundung der Finanzen des Unternehmens schreite fort, keine leeren Ankündigungen sind. Die Erhöhung des Aktienkapitals auf 120 (71,96) Millionen DM hat das Verhältnis von Fremd- und Eigenkapital verbessert.

Im Berichtsjahr hat die Gesellschaft 87 289 Einheiten, davon 67 254 Personen- und Kombiwagen und 20 035 Last- und Lieferwagen produziert. Gegenüber dem Vorjahr ist nur eine geringfügige Erhöhung zu verzeichnen, weil bereits 1956 mit den vorhandenen Kapazitäten die Produktionsgrenze erreicht wurde. Das Lkw-Geschäft litt auch bei Ford unter den bekannten Schwierigkeiten. Der neue Typ 17 M wird von der Verwaltung als ein voller Erfolg bezeichnet, der an der Produktion des Jahres bereits mit 16 520 Stück beteiligt war. Durch die erhöhte Kapazität gelang es im ersten Quartal 1958, die Produktion um rund 50 v. H. zu erhöhen. Daran hatte der 17 M ebenfalls wieder wesentlichen Anteil. Die Ertragslage hat sich noch nicht durchgreifend gebessert. M. D.