C. W., Chemnitz

Die SED regiert ein Staatsgebilde, in dem etwa 2 Millionen mehr Einwohner leben als im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Dieses Mitteldeutschland soll nun – nach dem Willen Pankows – in absehbarer Zeit die Kader für ein sozialistisches Gesamtdeutschland stellen, vom Hausobmann bis zum Bundeskanzler.

„Wenn die jetzt Geborenen 18 Jahre sind, haben Adenauer und seine Kriegsclique längst ausgespielt, und der Sozialismus wird in ganz Deutschland Wirklichkeit sein“, schrieb Redakteur Bertelsmann kürzlich im SED-Organ „Sächsische Zeitung“. Und damit solche phantastischen Träume auch realisiert werden können, verkündet die SED als neueste Parole: mehr Geburten „für den Sozialismus“.

Jede werdende Mutter erhält 150 Mark aufgezahlt, wenn sie im vierten Monat der Schwangerschaft die Poliklinik aufsucht. Ist das (erste) Kind geboren, bekommt sie nochmals 250 Mark. (Bei weiteren Kindern erhöht sich diese Pauschale.) Anschließend bekommt sie vier Monate lang je 25 Mark sowie sechs Monate lang je zehn Mark Stillgeld.

Gegenwärtig kommen in der Zone auf fünf Arbeitende zwei Rentner. Allein in Dresden fehlen Zehntausende an Arbeitskräften; Hunderttausende fehlen in der Zone. Pankow muß mit einer anhaltenden Flucht rechnen. Und so investiert es von jetzt an jährlich 80 Millionen Mark in die Aktion Mehr Geburten für den Sozialismus!