Von Ilse Langner

Fünf dünne Leinenbändchen steckte ich heimlich in meinen Urlaubskoffer, wollte sie nur an Schlecht-Wetter-Tagen hervorholen und mich gütlich daran tun, gütlich, weil ich mir Gutes erhoffte. Doch schien prall die Sonne, der Wind fächelte sanft, hohe Schwarzwaldtannen blühten verschwenderisch, als mich die Lust am Wort packte – mitten in der Faulheitswonne. Die fünf Bücher der Kleinen Reihe aus dem Jakob Hegner Verlag bereiteten mir aber so intensiv

Das ungeteilte Vergnügen

wie Bruce Marshall das eine seiner Geschichtenwerkchen nennt, daß mir die heimatliche Natur bald noch köstlicher erschien – mochten die verwunderlichen Liebeserlebnisse auch einst fern in Lourdes oder Spanien geschehen sein.

Bruce Marshall: Das Opfer des Pater Valentino; Richard Seewald: Ostern auf Poros; Ernst Hello: Von Heiligen Männern; Ernst Hello: Von Heiligen Frauen (alle bei Jakob Hegner, Köln; je Bändchen 4,80 DM)

vervollkommneten mein Leseglück durch die weltstädtische Erzählkunst des Engländers in der lebendigen Verdeutschung von Ernst Sander, durch die herbe, holzschnittartige Darstellung der Heiligen und Wundertäter von Hello und durch das nachdenkliche Geplauder von Richard Seewald über seine Ferien auf Poros, die er mit fein gestrichelten Zeichnungen verdeutlicht.

Bewunderswert, wie zwanglos Marshall in ganz unpathetischer Sprache, voll sanfter Ironie das Geschick des Paters Valentino erzählt, der sich nach dreißig Jahren emsigen Sparens endlich den irdischen Traum seines Daseins durch eine Reise nach Neapel, in seine Heimat, erfüllen möchte, und mit welchem göttlichen Eigensinn ihm das so bitter Ersparte von Notleidenden abgenommen und er selbst dadurch seinem wahren Beruf des Helfers und Paters endgültig zugeführt wird. Wir werden des Paters Verzichtenmüssen ebensowenig vergessen, wie die Erinnerungssucht der alten Dame im Zuge nach Madrid, die immer noch, nun als Greisin, im halbdunklen Gang des ratternden Zuges ihre Jugendliebe zu treffen hofft.