G.Z., Karlsruhe

Eine Partei „im Untergrund“ – das klingt geheimnisvoll, gefahrenumwittert. Man denkt an Revolutionstribunale in verlassenen Kellern, an leidenschaftliche Diskussionen bei gespenstischem Kerzenlicht...

„In den Untergrund“ ist die KPD im Sommer 1956 gegangen, als das Bundesverfassungsgericht sein Verbotsurteil sprach. Damals wurden viele Stimmen der Kritik laut. Es waren weniger staatsrechtliche Einwände als Erwägungen der Zweckmäßigkeit, die gegen ein Verbot der KPD vorgebracht wurden. Die „Untergrund-Kommunisten“ seien jeder Kontrolle entzogen, so wurde argumentiert. Und mancher mag dabei eben jene Vorstellung von politischen Eiferern im Dunkel der Illegalität im Sinn gehabt haben, da er die unsichtbaren Kommunisten für gefährlicher hielt als die sichtbaren.

Es ist einem glatten Zufall zu verdanken und nicht der Wachsamkeit der Verfassungsschutzorgane, daß jetzt ein Prozeß vor dem Bundesgerichtshof ein wenig Licht in das Dunkel des roten Untergrundes brachte. Der Zufall nämlich, daß bei einer unbedeutenden Routine-Razzia ein dicker Fisch der Düsseldorfer Polizei im Netz hängenblieb: das Mitglied des KP-Vorstandes Walter Fisch. Der Haftbefehl gegen ihn ist schon fast vergilbt. Er trägt ein Datum aus dem Jahre 1953, aber erst am 5. Februar 1958 konnte er vollstreckt werden.

Der Personalausweis, den Untergründler Fisch den Polizeibeamten bei der Haussuchung präsentierte, lautete auf Walter Reb. Doch das Gepäck – KP-Broschüren, Entwürfe für Flugblätter und Informationsberichte für die Zentrale – regte die Polizeibeamten an, sich eingehender mit Herrn Reb zu beschäftigen. Und dabei wurde dann aus einem Reb eben jener Fisch, den man seit Jahr und Tag gesucht hatte.

Wenn es nach Walter Fisch gegangen wäre, bliebe die illegale KP-Arbeit auch weiterhin im mystischen Dunkel. Er weigerte sich nämlich, über die Nach-Verbotstätigkeit der KPD auch nur ein Wort zu sagen. Aber das „Sturmgepäck“, das man bei der Verhaftung bei ihm fand, besagte genug. Seine Partei-Korrespondenz, die er treu und brav mit sich herumschleppte, war aufschlußreich.

Diese Fisch-Berichte können alle beruhigen, die die Untergrund-KPD als schwarzen Mann an die Mauern des Bundesverfassungsgerichtes malten. Die KPD, die am Tage des Verbots pathetisch erklärt hatte, „sie lebe weiter“, ist nur noch ein Schatten. Aber kein drohender Schatten, sondern nur das schmale Schattenbild einer Partei, die schon während der Zeit ihrer „Legalität“ nie mehr als wenige Prozent der Wählerstimmen auf sich vereint hatte.