RH-Hamburg

Als vor zehn Jahren die Zeit der Auslandspakete zu Ende ging, kam in Hamburg ein besonders großes Paket aus Schweden an. Dieses Paket hat jetzt Jubiläum. Es bestand aus drei skandinavisch-rostbraunen Holzhäuschen, die die Provinz Kalmar der Stadt Hamburg schenkte. Die ehemaligen schwedischen Militärbaracken wurden im Hamburger Stadtpark aufgestellt und sind seitdem Heim und – über Tage – Heimat von achtzig Hamburger Kindern.

Der schwedische Landshövding Wagnsson, der Landeshauptmann der Provinz Kalmar, hatte vor zehn Jahren Hamburg besucht. Wagnsson, zugleich Leiter des Roten Kreuzes seiner Provinz, war damals auf der Suche nach Möglichkeiten, sinnvoll wohlzutun. Und da die Kinder im Stadtteil Winterhude kein Tagesheim hatten, schlug man ihm vor, hier zu helfen.

Es wurde ein Kindertagesheim, wie viele in Hamburg – und doch ganz anders. Zwar wird auch dieses Heim von der Stadt verwaltet – genauer: von der Vereinigung Städtischer Kinderheime –, und die Eltern zahlen, ihrem Einkommen entsprechend, nichts oder bis zu drei Mark pro Tag. Aber es hat etwas, das die anderen Heime nicht haben: Den Wohltäter in Schweden.

Gutes kommt nämlich weiterhin von dem lieben Onkel im fernen Land. Vor zwei oder drei Jahren erst traf wieder eine „große Kiste“ ein, und darin war ein Anbau, der heute die Liegehalle für die Zwei- bis Dreijährigen ist. Um die Mittagszeit stehen dort an die fünfzig niedrige Feldbetten, auf denen, in tiefen Träumen, den Daumen im Mund, oder mit beweglichen Augen beobachtend, wer da wohl kommt, die Kleinsten liegen.

Seit der Gründung steht dem Heim die Jugendleiterin Harriet Kapsel vor. Als sie nach Kalmar kam, dankten die Schweden ihr dafür, „daß Sie so gut für unsere Kinder sorgen“. „Was brauchen Sie denn noch?“ wird sie gefragt. Und der immer gütige „Onkel aus Schweden“ schenkt Schränke, Stühle, Tische. Eine Rechnung für Inventar – über fünftausend Mark immerhin – durfte kürzlich nach Kalmar geschickt werden. Besonders mühsam war es bisher, im Winter die Öfen in allen Räumen zu heizen. Jetzt haben die Schweden wieder sechstausend Mark gespendet, und es wird gerade eine moderne elektrische Heizung installiert ... Kein Wunder, daß für die achtzig Kinder ein Land existiert, aus dem nur märchenhaft Gutes kommt.

Denn die Kalmarer haben nicht nur vor zehn Jahren an das Heim im Stadtpark gedacht, sie packen nicht nur zu Weihnachten und Ostern Kisten mit Spielzeug und Kleidern, sie kommen auch manchmal auf Besuch und sehen, was besonders fehlt.

Einmal kam sogar eine Prinzessin von dort, Prinzessin Sibylla, die Mutter des Königs. Aber sie war eine Dame im Reisekostüm, ohne Hermelin und Krone. Und „ihre Kinder“ haben seitdem beträchtliche Zweifel, ob sie wirklich eine richtige Prinzessin gewesen ist...