Das Königreich Libyen, zwischen Tunesien und Ägypten am Mittelmeer gelegen, macht gegenwärtig besondere Anstrengungen, ein Anziehungspunkt für den Touristenverkehr zu werden. Um ein Kuriosum allerdings wird das Land bald ärmer, um eine Sehenswürdigkeit reicher sein: Da man sich nach Einrichtung eines parlamentarischen Königtums vor sieben Jahren nicht auf eine Hauptstadt, die der ehemaligen italienischen Kolonie Tripolis einigen konnte und die beiden am Mittelmeer gelegenen Provinzen, die Cyrenaika und Tripolitanien, gleichermaßen Rechte anmeldeten, beschloß ein weiser orientalischer Rat, das Parlament im Sommer in Benghasi, der Hauptstadt und dem Haupthafen der Cyrenaika, und im Winter in Tripolis tagen zu lassen. König Idris allerdings fühlt sich wohler in der Cyrenaika, besonders in seinem Schloß in Tobruk, obwohl er in allen größeren Städten des Landes Residenzen hat. Gegenwärtig aber wird in der Nähe des antiken Cyrene eine neue und alleinige Hauptstadt gebaut, die El Beida heißen soll. Es stehen zwar erst einige Dutzend Häuser, und auch das große Lungensanatorium in der Nähe ist noch nicht fertig, aber die Arbeiten laufen – allerdings nach orientalischem Maß – auf Hochtouren.

Das Hauptziel für die Besucher des Landes war bisher allein Tripolis und seine antike Umgebung, ferner das westlich gelegene Sabratha wegen seines großen, neuen Museums und vor allem die ausgedehnte Ruinenstätte von Leptis Magna, die etwa 120 Kilometer östlich der Stadt liegt. Die Funde aus dieser alten Römerniederlassung sammeln sich mehr und mehr in der Burg von Tripolis, die bald völlig als Museum dienen soll.

Geschickte italienische Steinmetze und Kunsthandwerker sind zur Zeit dabei, die Fußböden dieses neuen archäologischen Museums mit antiken Marmorplatten auszulegen, während eine Reihe von Mosaiken bereits die Wände eben fertiggestellter Räume schmückt. Auch die roh bearbeiteten, aber kulturgeschichtlich bemerkenswerten Reliefs werden hier wieder hergestellt, die eine eingeborene Krieger- und Bauernkaste sich einst in der südlichen Wüste, am Rande des damaligen Fruchtlandes beim heutigen Girzeh, errichtete.

Das Museum Tripolis besitzt römische Kopien bekannter griechischer Bildwerke wie den Diadoumenos, den wunderbar erhaltenen Apollo, der über Marsyas triumphiert, und eine Wiedergabe der Venus Anadyomenos wie in Syrakus. Marmorbilder wie das des Kriegsgottes Mars stehen neben der Figur der Athena Sybilla, einer großen Artemisplastik und der riesigen Statue der Roma, die sich über alle triumphierend erhebt.

Die meisten dieser Plastiken stammen aus der größten antiken Stadt Tripolitaniens, aus Leptis Magna, das seine Entstehung und großzügige Ausschmückung dem römischen Kaiser Septimus Severus verdankt, der dort geboren wurde. Sie kommen hauptsächlich vom Forum und den großflächig angelegten Thermen. Besonders verlockend für den Besucher Libyens ist, bei den gegenwärtigen Ausgrabungen der alten Hafenanlagen zuzusehen, an die sich ein großes Küstengelände anschließt. Hier liegen, verschüttet, noch eine Reihe unerforschter Villen, die einer baldigen Ausgrabung harren. M.-F.