Von Gerhard Bahlsen

Unsere heutige Kenntnis des alten Mexiko geht im wesentlichen auf das archäologisch fruchtbare Jahrzehnt zwischen 1930 und 1940 zurück. Die Kultur des alten Mexiko war nicht nur die der Azteken, das wußte man schon lange. Aber was die Kultur von Teotihuacan, die der Tolteken, Zapoteken, Mayas im einzelnen bedeutete, das wissen wir erst, seitdem Gelehrte wie die Mexikaner Gamio und Caso, die Amerikaner Vaillant, Thompson, Stirling und andere, systematisch in den alten Zentren gruben. Sie fanden Scherben, Statuen, Grabbeigaben, aus denen sich das Bild der Einzelkulturen immer deutlicher bestimmen ließ.

Ein glücklicher Zufall ließ sie Stellen entdecken, an denen verschiedene archäologische Schichten übereinander lagern, Schichten, die sich mit Sicherheit zeitlich voneinander abgrenzen ließen. Durch den Vergleich der neuen Funde mit älteren, bereits bestimmten, durch die Gegenüberstellung der archäologischen Daten mit den schriftlichen Quellen gelang es, mit immer größerer Klarheit zu erkennen, wie diese Kulturen einander folgten oder sich ineinander verflochten.

Einer der Pioniere aus dieser großen Zeit der mexikanischen Archäologie war George C. Vaillant. Schon 1926 hatte er mit Seinen Ausgrabungen in Zacatenco und Ticoman Licht in den ältesten „archaischen Horizont“ dieser Welt gebracht. Später war es ihm mit den Funden von Gualupita gelungen, die Nahtstelle anzumerken, an der die älteste Zeit überging in die nächste historische Phase. Vaillant war es auch, der als erster versuchte, das Ganze der Kulturen des präkolumbischen Mexiko wie ihres geschichtlichen Ablaufs darzustellen, dessen Höhe- und Endpunkt die Kultur der Azteken bildet. Sein Werk ist vor kurzem in deutscher Sprache erschienen:

George C. Vaillant: „Die Azteken“; Verlag M. Dumont Schauberg, Köln; 1 Farbtafel, 100 Abbildungen, 352 S., 23,–– DM.

Im Mittelpunkt des Buches steht die Geschichte des aztekischen Volkes, seines Aufstiegs und seines Niedergangs. Eine umfangreiche Einleitung führt an die Vorgeschichte heran, die zugleich eine Geschichte der archäologischen Entdeckungen ist.

Die erste Ausgabe des Buches von Vaillant erschien 1941 in New York. Der Verfasser starb 1945. Der Herausgeber der deutschen Ausgabe, C. A. Burland, sah sich genötigt, den Text an einigen Stellen entsprechend neueren Forschungsergebnissen zu ergänzen: Er tat das mit einer großen Kenntnis des Stoffes und mit viel Takt.