Und natürlich Pelz – für jeden, der nicht an die Augen, an das weiche, warme Leben der gemeuchelten Tierkinder denken muß, wenn er die verlockend exotischen Namen hört: Chinchilla, Ozelot, Nerz, Opossum, Nutria. Das geschorene Schaf ist da doch eine weniger blutige Vorstellung und die wärmenden Tweeds liegen drum angenehmer zur Hand. Wolle auch sonst viel und gern, Shetland, blau und oliv, beige, grüne – gedämpftere Töne jetzt, englischer, nach all den amerikanischen Bonbons.

Zum Abend wiederum schwarz, versteht sich. Weiche, herrlich leicht fallende Stoffe, kaum noch die Taille betont – alles nur "Sack", aber raffiniert der Fall über nunmehr endgültig unterbetonte natürliche Kurven. Das alte Pendel des wandelbaren Geschmacks, des Bedürfnisses nach der törichten Abwechslung, es schwingt zurück. Auch das Abendkleid sieht nun aus wie ein Schlauch oder ist kurz und zärtlich gebauscht.

Kurz überhaupt der Rock, er bewegt sich nördlich, läßt schon das Knie ahnen. Der hochhackige Schuh – so spitz, daß er eigentlich nur mit Waffenschein getragen werden dürfte – betont die Vertikale noch mehr. Kann sehr sexy wirken – bei Mannequin-Maßen. An die werte Natur, an statistische Mittel, denken, die träumenden Couturiers offenbar weniger.

Berlin ist dennoch der Basar gerade des relativen Durchschnittsgenres. "Tragbar" ist die Devise, denn aus allen Teilen der Bundesrepublik sind die Einkäufer der DOB-Läden hier, um für zu Hause das gut Verkäufliche mitzunehmen, zu bestellen. Es wird durchaus Prosa gesprochen, wenn der Hauch von Poesie verflogen ist, der über all diesen Laufstegen liegt.

Kurios, restaurativ, epigonal, wie die Epoche ist, ist die Anleihe beim Empire: die Taille strebt unter dem Busen hinauf, der Rock legt sich erst eng, dann frei um die Figur abwärts. Gerade Linien mit dekorativen Variationen fallen überhaupt als bestimmend auf, die feste Plastizität der kurvenbetonten Zeit ist passée, Audrey siegte endgültig über Lollo – sagen wir 3:1.

Zum 33. Male nach dem Kriege traf sich die unruhigste Branche der Welt in Berlin. Dynamik und Würde sollen stetig zugenommen haben, Jahr für Jahr. Das Ausland wurde auch schon Kunde. Basis des Ganzen: die "Zwischenmeister", Schneidereien, in denen Tausende geschickter Berliner Midinetten die individuelle Handarbeit leisten, ohne die die Mode nicht denkbar ist. Kein Platz für Kollektivierung hier.

Aus jenen merkwürdigen zwanziger Jahren zu lernen, ist eine Aufgabe, politisch, geistig. Und so in der Mode. Nicht jeder Nonsens muß wiederholt werden; aber vom Genius glücklicher vergangener Zeit nimmt man ihn gern: den farbigen Abglanz. T. K.