Wer ständig viel und weit fahren muß, der stellt mit Freuden fest, daß es immer mehr Übernachtungsgelegenheiten unmittelbar an der Autobahn gibt. Aus den „Raststätten“, die zunächst „Erfrischungen“ boten, sind vielfach ansehnliche Restaurants geworden. Manche entwickeln sich weiter. Dabei wiederholt sich der traditionelle Sprung vom „Gasthof“ zum „Hotel“. Naturgemäß sind ja die Ansprücheeines Lastwagenfahrers von dem Besitzer eines Privatwagens verschieden. In allen Raststätten erhält der Gast jetzt kostenlos ein Verzeichnis, das alle unter dem Titel „Tanken und Rasten“ zu erwartenden Angaben enthält. Der Prospekt bezieht sich auf jene Einrichtungen, die von der offiziellen „Gesellschaft für Nebenbetriebe der Bundesautobahnen“ unterhalten werden. Man findet darin selbstverständlich nur neutrale Hinweise, keine Qualitätsangaben. Auch Ausweichmöglichkeiten, falls ein Rasthaus besetzt ist, muß man selber erkunden.

Schnell bekanntgeworden ist wegen seiner Qualität das Autobahnhotel an der Abfahrtsstelle nach Kassel. Mit 108 Betten ist es das größte der Bundesrepublik. Es befriedigt auch die verwöhntesten Reisenden – vom Fernschreiber zur ratsamen Vorbestellung bis zum Nähzeug auf dem Zimmer und einem Sitzkissen in der Badewanne. Von dem vielbesuchten Restaurant ist das Hotel abgedichtet. Wer nicht gerade zu Zeiten des Stoßgeschäfts essen will, dem werden kulinarische Köstlichkeiten serviert.

Reisende, die von Berlin oder Hamburg ins Rheinland fahren, finden einen einladend modernen, zweistöckigen Hotelbau an der Abfahrt Hannover-Garbsen. Im Erdgeschoß ist das Restaurant, das insgesamt 400 Personen Platz bietet, ein wenig konfektioniert um ländlichen Stil bemüht: lackierte Holztische und Tiefstrahler darüber, die Öllampen nachgebildet sind, Holztresen und indirektes Raumlicht. Die 42 Betten sind nach „Touristenzimmern“ (fünf Mark) und besseren unterschieden. In den normalen Zimmern kostet das Bett acht Mark.

Zehn Kilometer vor der Autobahneinfahrt Hannover gibt es an der Bundesstraße Hamburg-Hannover eine exquisite Ausweichmöglichkeit, die allerdings nichts mit den Autobahnbetrieben zu tun hat. Es ist das Hotel Moormühle. Seine gemütliche Einrichtung verlockt den Passanten mindestens zum „Speisen“, „Essen“ wäre nicht das richtige Wort in diesem zweiterrassigen Restaurant, dessen Glastüren sich zum Garten öffnen. Oben und – besonders ruhig! – in einer Dependance liegen die einfachen, geschmackvoll möblierten Übernachtungszimmer. Bis zur Stadtmitte Hannovers sind es nur 20 Kilometer.

Für jedermann ist das Autobahnhotel Gütersloh eingerichtet. Unter dem Giebeldach, das der niedersächsischen Landschaft angepaßt ist, findet man in der Schenke der Fernfahrer Tag und Nacht Bewirtung, zur Erfrischung nach kurzer Rast auch Duschen und Bäder. Für Übernachtende stehen 63 Betten zur Verfügung, seitdem noch ein Nebenhaus hinzugekommen ist. Wegen der leichten Bauweise der Zimmerfluchten ist allerdings der Gast von der Selbstdisziplin der Mitbewohner abhängig, von denen die meisten begreiflicherweise sehr früh weiterfahren. Sehr sympathisch ist es, daß hier das Frühstück im Speisesaal nach Restaurantpreisen berechnet wird und so kein Zwang zu dem hotelüblich gewordenen Zimmeraufschlag besteht. Obwohl im offiziellen Prospekt noch nicht angeführt, bietet jetzt, 46 Kilometer südlich von Gütersloh, das besonders gastronomisch empfehlenswerte Rasthaus Rhynern ebenfalls Übernachtungsmöglichkeiten.

Wer sich ein wenig Zeit nehmen kann, sei’s vor dem Schlafengehen oder nach dem Frühstück, eine anheimelnde Umgebung zu genießen, dem sei geraten, die Autobahn Hannover–Köln dort zu verlassen, wo ein offizieller Hinweis nach Schloß Arensburg führt. Es liegt etwa auf der Hälfte der Strecke von Hannover nach Bielefeld. Man sieht das Fachwerk des hochgelegenen Schlosses bereits von der Autobahn aus. Das frühere Schloß der Fürsten zu Schaumburg-Lippe wird im Auftrag der Bonner „Gesellschaft für Nebenbetriebe“ bewirtschaftet. Das Restaurant erfüllt hohe Ansprüche. Die 30 Zimmer kosten 8,50 oder 9,50 Mark je Nacht. Aus dem Schloßgarten ist im Sommer ein Terrassen-Café geworden. Zwischen den alten Mauern webt Stimmung.

Auf der Strecke zwischen Köln und Frankfurt am Main gibt es verschiedene Möglichkeiten, über Nacht zu bleiben. Sehr bekannt sind die aus der Landschaft herausgehobenen Rasthäuser Siegburg (23 Betten) und mit schönem Blick ins Siebengebirge Fernthal (12 Betten). Diese beliebten Raststätten sind aber stark durch den lokalen Ausflugsverkehr belastet. Der eilige Passant ist hier besonders erfreut über schnelle Bedienung.