Die Partei des portugiesischen Regierungschefs Oliveira Salazar, die Nationale Union, hat ihren Kandidaten bei der Staatspräsidentenwahl durchgebracht: Admiral Americo Tomas wird für die nächsten sieben Jahre Präsident der Republik Portugal. Zugleich aber hat die Opposition einen überraschenden Erfolg errungen.

Nach den ersten vorläufigen Ergebnissen entfielen rund ein Viertel aller Stimmen auf sie – und das, obwohl das Regime Salazar dem Oppositionskandidaten Humberto Delgado das Leben und den Wahlkampf sauer gemacht hatte. Besonders in den Industriegegenden fand Delgado viele Anhänger, aber auch unter den Studenten und Intellektuellen gelangen ihm tiefe Einbrüche in die Front der Nationalen Union.

Offenbar ist das Land nach 26 Jahren Salazar des autoritären Regimes müde. Der „gütige Diktator“, wie manche den 69jährigen Ministerpräsidenten nennen, wird nun wohl aufs neue die Zügel der Autorität anziehen, um dem Gefüge seines faschistischen Korporativstaatswesens wenigstens äußerlich wieder den Anschein von Stabilität geben. ts