Bei der größten deutschen Reifenfabrik, der Continental Gummi-Werke AG, Hannover, ist zwar im Geschäftsjahr 1957 die Steigerung des Mengen- und Wertumsatzes erneut kleiner geworden, aber der Bruttoertrag stieg von 625,3 auf 647,4 Mill. DM. Auch der Vorstand spricht von einem „befriedigenden Verlauf“ des Geschäftsjahres. Das Reifengeschäft des Unternehmes spiegelt die unterschiedliche Konjunktur der Fahrzeugindustrie: Dem beachtlich rückläufigen Absatz in der Zweìrad-Industrie entsprechend sind auch die Verkaufsmöglichkeiten gesunken. – Einschneidende Einbußen der Lastwagen-Industrie haben Umsatzrückgänge namentlich in großen Lkw-Reifen gebracht. – Dagegen konnte der Absatz von Pkw-Reifen gesteigert werden. Allerdings wirkt sich die Steigerung der deutschen Pkw-Produktion nicht voll auf die Reifenherstellung aus, weil ein erheblicher Teil der Pkw unbereift oder mit im Zoll-Vormerk-Verfahren eingeführten Reifen exportiert wird. Eine Umsatzerhöhung trat auch im Ersatzreifengeschäft ein. Trotz dieses insgesamt gesehen auch 1957 nicht schlechten Reifengeschäfts hält bei der Conti dieTendenz an, den Produktionsanteil des übrigen weitverzweigten Erzeugungsprogramms zu erhöhen. Gegenwärtig macht die Reifenproduktion bei der Conti etwa 60 v.H. aus. Die Tendenz geht dahin, ein Verhältnis von etwa 50 : 50 zu erreichen. So sollen die nach wie vor erheblichen Investitionen (1957 betrug der Anlagenzugang 35 Mill. DM gegenüber 32,6) in der Reifenproduktion insgesamt zu keiner Kapazitätserweiterung führen, sondern nur zur weiteren Modernisierung der Anlagen. Dagegen sind für Teile der übrigen Produktion auch Neuerrichtungen vorgesehen. Es werden z. B. in der Herstellung von Fahrzeugausrüstungen (außer Reifen) noch Ausweitungsmöglichkeiten gesehen, ebenso im umfangreichen Produktionsprogramm von technischen und chirurgischen Kautschuk- und Kunststofferzeugnissen. Trotz des großen Wettbewerbs sei hier übrigens das Geschäft „lohnend“ gewesen.

Obwohl der Geschäftsbericht meint, daß der Status gegenüber dem 31. Dezember 1956 eine gewisse Anspannung zeige, lassen sich doch keine vesentlichen Veränderungen gegenüber dem Vorjahr feststellen. Die freie Rücklage wurde um drei Mill. DM auf 28 Mill. DM aufgestockt, dafür ging die Zuführung zur Rückstellung für Versorgungsleistungen von 3,4 auf 0,6 Mill. DM zurück. Mit insgesamt 30,4 Mill. DM sind die Rückstellungen für Versorgungsleistungen der rund 20 000 Beschäftigten in den letzten Jahren aber beachtlich angewachsen.

Den 10,9 Mill. DM für die Dividende von erneut 12 v. H. einschl. Gewinnanteil des Aufsichtsrats) stehen 11,1 Mill. DM gegenüber, die 1957 an Gratifikationen den Betriebsangehörigen gezahlt wurden. Zählt man diese Gratifikationen mit den insgesamt 8,9 Mill. DM freiwilligen sozialen Aufwendungen zusammen, so hat die Conti 1957 für das, was oft als sozialer Besitzstand bezeichnet wird, im Durchschnitt rund 1000 DM je Beschäftigten gezahlt. Wenn sich die freiwilligen sozialen Leistungen der verschiedenen Unternehmen auch nicht genau miteinander vergleichen lassen, so kann doch gesagt werden, daß dieser Durchschnittsbetrag bei der Conti etwa gleich groß wie beim Volkswagenwerk ist. (Dort wurden 1956 für rund 36 000 Beschäftigte 34,5 Mill. DM an freiwilligen Leistungen aufgewendet.) Dieser Vergleich will nichts aussagen über die Problematik eines übertariflichen Lohnniveaus und hoher freiwilliger Leistungen für die gesamte Wirtschaft. Er soll nur einmal darauf hinweisen, daß sich die von Gegnern der Privatisierung öffentlicher Unternehmen gern bemühte These nicht aufrecht halten läßt, wonach nur Unternehmen der öffentlichen Hand einen hohen „sozialen Besitzstand“ hätten.

Auswirkungen nicht nur auf die Conti-Kundschaft, sondern auf den gesamten deutschen Reifenmarkt hatte die Festsetzung neuer Reifenpreise. Mit Wirkung vom 6. Juni hat die Conti im Reifengeschäft für Händler und Verbraucher ihre Preise neu kalkuliert, wobei sich im Gesamtdurchschnitt aller Reifen eine Preisermäßigung von vier bis fünf Prozent ergibt. Andere Unternehmen sind dieser Bewegung inzwischen gefolgt.

In den ersten vier Monaten 1958 lagen die Gesamtumsätze etwas höher als in der Vergleichszeit 1957. Allerdings sind die Exportumsätze nicht unerheblich zurückgegangen. Diese Einbuße konnte durch das Inlandgeschäft jedoch mehr als ausgeglichen werden. -ng