Nach den blutigen Zwischenfällen des letzten Wochenendes herrscht auf Zypern wieder, verschärftes Ausnahmerecht. Eine Woche, bevor die britische Regierung endlich ihren Zypern-Plan bekanntgeben will, kündigt das Barometer auf der Mittelmeerinsel Sturm an. Es werden wieder Bomben geworfen, und aufs neue ist Blut geflossen. Aber die Fronten haben sich verkehrt: Nicht die griechischen Zyprioten sind für die Zusammenstöße verantwortlich, sondern die Türken haben diesmal den Mob auf die Straßen geschickt.

Eine Bombenexplosion vor dem türkischen Informationsamt in der Inselhauptstadt Nikosia war das Signal, das Scharen von stock-, messer- und stahlrutenbewehrter junger Türken auf den Plan rief. Sie stürzten Polizeiwagen um, setzten eine Zigarettenfabrik in Brand. Dann wälzte sich die Menge randalierend und brandstiftend durch die Geschäftsstraßen am Famagusta-Tor. In seiner Nähe kam es zum Zusammenstoß mit den Griechen. Zwei Tote blieben auf dem Platz, vier Dutzend Menschen wurden verwundet, sechs Gebäude standen in Flammen.

Der türkische Mob machte sich während dieser Gewalttaten in denselben Ausrufen Luft, die als Sprechchöre am folgenden Tag auch bei einer antigriechischen Massenkundgebung in Istanbul zu hören waren. Über 200 000 Menschen demonstrierten dort auf dem Eminonu-Platz gegen Griechenland und Großbritannien.

Zypern – Teilung oder Tod!“ forderten die Demonstranten, und der Führer der türkischen Bevölkerung auf Zypern, Dr. Fazil Kutschuk, rief aus, jetzt könnten die Griechen und Türken auf der Insel nicht länger zusammenleben. Andere Redner beteuerten, 26 Millionen Türken seien bereit, für Zypern zu sterben, und forderten den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Großbritannien und die sofortige Mobilisierung.

In einem Augenblick, in dem die Griechen sich geneigt zeigen, der von England angestrebten Zwischenlösung – nämlich einer zehnjährigen Lokalautonomie bis zur vollen Selbstbestimmung für Zypern – zuzustimmen, droht nun also Ankara die Beilegung des Konflikts zu vereiteln, Die Betretenheit in London ist ebenso groß wie die Erregung in Athen. Die griechische Regierung hat bereits durchblicken lassen, daß sie es ablehnt, Truppen zu den bevorstehenden NATO-Manövern im östlichen Mittelmeer zu entsenden. Sie hat ferner den ständigen NATO-Rat aufgefordert, sich mit den Vorgängen auf Zypern zu beschäftigen, und sie will notfalls auch den UN-Sicherheitsrat anrufen. Th. S.