Afrocubanische Lyrik

Desteht wohl die Möglichkeit, daß abendländische Lyrik neue Impulse aufnehmen könnte von der Negerlyrik – ähnlich wie abendländische Musik ja solche Impulse aufgenommen hat? – Im Hanser-Verlag sind zwei Bände mit Gedichten afrikanischer und südamerikanischer Autoren erchienen, übertragen von Janheinz Jahn: Schwarzer Orpheus, Moderne Dichtung afrikanischer Völker beider Hemisphären (195 S., 9,80 DM), und: Rumba Macumba, Afrocubanische Lyrik (80 S., 5,80 DM). Um einen Eindruck auch von Klang und Rhythmus zu vermerken, drucken wir hier das Gedicht des dreißigjährigen Portugiesisch-Westafrikaners (aus Angola) Mario Pinto de Andrade nicht nur in der deutschen Übertragung ab, sondern auch im afrikanischen Original (Kimbundu). Zum Verständnis des Gedichtes ist es wissenswert, daß auf die portugiesische Insel São Tomé (im Golf von Guinea) Afrikaner als Zwangsarbeiter gebracht werden.

Mumba ua Sabalu

Mon’etu ua kasule

– a mu tumisa ku São Tomé.

Kexirie ni madukumentu

aiué!

Mon’etu uaririle

Afrocubanische Lyrik

Mama uasalukile

aiué!

a mu tumisa ku São Tomé.

Mon’etu uai kid

uai mu pure in

aiué!

a mu tumisa ku São Tomé.

Afrocubanische Lyrik

Mon’etu a mu butu

K’atena ku mu kuta

aiué!

a mu tumisa ku São Tomé.

Mon’etu uolo banza

O’xi’é onzo ié.

A mu tuma kukalakala

Afrocubanische Lyrik

olo mu tala, olo mu tala.

Mama, muene uondo vutuka

ah! Ngongo ietu iondo biluka

aiué!

a mu tumisa ku São Tomé.

Mon’etu k’avutuke

Kalunga ua mit rie

Afrocubanische Lyrik

aiué!

a mu tumisa ku São Tomé. Das Lied von Sabalu

Unser ältester Sohn

– sie brachten ihn nach São Tomé.

Er hatte keine Papiere,

o weh!

Unser Sohn hat geweint

Afrocubanische Lyrik

und die Mutter wurde verrückt.

O weh,

sie brachten ihn nach São Tomé.

Unser Sohn ist schon fort.

Er fuhr im Bauch ihres Schiffs.

O weh,

sie brachten ihn nach São Tomé.

Afrocubanische Lyrik

Sie schnitten ihm die Haare,

fesseln ließ er sich nicht

o weh,

sie brachten ihn nach São Tomé.

Da unten träumt unser Sohn

von seinem Haus, seinem Heim.

Man hat ihn zur Arbeit geschickt

Afrocubanische Lyrik

und sieht ihm zu, sieht ihm zu.

Mama, er kommt ja wieder,

dann wird es uns besser gehn.

O weh,

sie brachten ihn nach São Tomé.

Aber er kam nicht wieder,

ihn holte der Tod,

Afrocubanische Lyrik

o weh,

sie brachten ihn nach São Tomé.