Kopenhagen, im Juni Weit ich vor nahezu einem Jahr eine Dänin geheiratet habe, lebe ich friedlich in Kopenhagen, bin im Volksregister eingetragen und zahle dem König Steuern, für die ich das Geld in Deutschland verdiene. Da ich jedoch Deutscher bin, muß ich auch in Deutschland Steuern zählen. Weil ich aber ins Ausland gegangen bin, hat mir das Vaterland meine Kriegsbeschädigtenrente gesperrt. Doch sonst geht es mir gut.

Die Dänen sind überaus liebenswürdig zu mir, mein Milchhändler nimmt es mir persönlich nicht übel, daß die Bundesrepublik keine dänische Butter mehr importiert, der Tabakhändler ist mir nicht böse, weil ich den dänischen Zigaretten die englischen vorziehe. Kurz, ich lebe gern in Dänemark, weil es ein gastliches Land ist; und ich war auf dem besten Wege, zu vergessen, daß die Welt in Vaterländer und deren Feinde eingeteilt ist.

Da bekam meine Frau – gerade zu der Zeit, als auf Schloß Christiansborg die NATO tagte und alle Beteiligten sich darin einig waren, daß die Lage entspannt werden müsse – einen Brief von der Polizei: „... hiermit ersucht werden, anzugeben, was der Ausländer Sowieso bei Ihnen macht.“

Ich begab mich zur Fremdenpolizei und sagte es im Namen meiner Frau.

„Sie wissen“, meinte der höfliche Beamte, „daß Sie sich innerhalb eines halben Jahres ohne Genehmigung nicht länger als drei Monate in Dänemark aufhalten dürfen?“ – Nein, ich hatte es nicht gewußt.

Das sei aber in ganz Europa so, erklärte mir der Beamte, und überdies sei ich verpflichtet, die Gesetze des Landes, in dem ich mich aufhielte, zu kennen...

Er blätterte mit ernster Miene in meinem Paß, und als er heraus hatte, wie lange ich mich nun schon unerlaubt im Lande aufhielt, war er ganz baff. Dann legte er eine Akte an; ich wurde ein „Fall“. Zwischendurch klingelte das Telephon. „Yes“, sagte er, „yes, he is now in our prison.“