J. K., Paris, im Juni

Mit der Emission der neuen goldindexierten Anleihe hat sich die Regierung de Gaulle trotz des Vertrauensklimas, das sich in Frankreich langsam wieder herstellt, auf ein etwas gewagtes Spiel eingelassen. Der Erfolg der Anleihe hängt von der Bereitschaft einiger Millionen von Kleinsparern ab, kurz vor den Ferien und in einer noch ziemlich labilen politischen Situation dem Staat den Mindestbetrag von 10 000 ffrs. zu leihen, der für viele einen beträchtlichen Teil des Ferienbudgets darstellen dürfte. Die Regierung mußte darum besonders verlockende Emissionsbedingungen gewähren: Steuervergünstigungen, Zeichnungsmöglichkeiten mit früheren Anleihen zu Vorzugskursen, Goldindexierung (ohne die eine Anleiheoperation in Frankreich nun einmal nicht möglich ist), und Straffreiheit für Steuerhinterzieher, wenn sie ihr in Frankreich gehortetes Gold oder ins Ausland geflüchtetes Kapital zur Zeichnung der neuen Anleihe verwenden. Die Indexierung erfolgt auf der Basis von 3600 ffrs. für den „Napoleon“, ist also für den Zeichner ziemlich risikolos, da dessen Kurs in der vergangenen Woche zwischen 3610 und 3590 ffrs. schwankte. Außerdem wird die Indexbasis der 1952 von Pinay aufgelegten Anleihe von 4000 ffrs. für den Napoleon ebenfalls auf 3600 ffrs. zurückgenommen, was auch die Besitzer dieser ersten Pinay-Anleihe zur Zeichnung ermuntern dürfte.

Man wird von einem Erfolg sprechen dürfen, wenn die Anleihe ohne Zeichnung in Renten oder Staatsobligationen mindestens 150 Mrd. ffrs. neuer Mittel einbringt. Dann wäre der Bedarf der Staatskasse voraussichtlich bis Ende des Jahres gedeckt. Die Zeichnung in Gold oder Devisen würde außerdem die internationale Position des Franc verbessern, da die Bank von Frankreich die Möglichkeit hat, das angebotene Gold auf dem Pariser Goldmarkt durch den Stabilisierungsfonds aufzukaufen. Übrigens ist seit dem Regierungsantritt de Gaulles von dieser Möglichkeit stärker Gebrauch gemacht und besonders der Kurs des „Napoleon“ durch Interventionen des Stabilisierungsfonds gestützt worden; sonst wäre der Napoleonkurs beträchtlich unter 3600 ffrs. gefallen.

Die erste Pinay-Anleihe hatte seinerzeit 35 t Gold eingebracht. Inzwischen hat aber die Geldentwertung in Frankreich weitere Fortschritte gemacht und die Goldbesitzer in ihrem Mißtrauen gegen die Banknote noch bestärkt.