Im Anschluß an die Jahressitzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hat der Präsident der Weltbank, Eugene Black, in Frankfurt bei der Bundesbank Verhandlungen geführt und Bonn zu einer kurzen Besprechung mit den Ministern Erhard und Etzel besucht. Black lag daran, neue Mittel für die Weltbank zu erhalten, und die Bundesbank ist auf seine Wünsche eingegangen. Die im August rückzahlbare Trandie von 40 Mill. Dollar eines ihrer früheren Kredite an die Weltbank wird für drei Jahre erneuert. Weitere 75 Mill. Dollar stellen einen neuen, in den nächsten drei Jahren staffelweise fälligen Kredit dar. So hat die, Bundesbank der Weltbank einen neuen Kredit von insgesamt 115 Millionen Dollar, also von fast 500 Mill. DM gegeben. Unser Kapitalexport macht gute Fortschritte. Der Gesamtbetrag der von der Bundesbank der Weltbank kreditierten Mittel beläuft sich jetzt auf 250 Mill. Dollar, d. h. auf über eine Milliarde DM.

Das Bonner Gespräch ging in der Hauptsache um den Plan des amerikanischen Senators Monroney, der kürzlich den Vorschlag gemacht hatte, eine zweite Weltbank bzw. ein besonderes Institut als Tochter der Weltbank zu schaffen, das Kredite an die Entwicklungsländer unter leichteren Bedingungen geben soll. Der Plan ist noch neu, und Black wollte offenbar auch nur die Stimmung zu diesem Projekt sondieren.

Sicher findet der Plan in Bonn Interesse. Ist man schon deshalb im Bundeswirtschaftsministerium für mehr Hilfe an die Entwicklungsländer, weil man sie im Interesse des Exportes und der Erhaltung der Vollbeschäftigung für sachlich wünschenswert hält, so dürften Entwicklungshilfen in politischen Kreisen erst recht bejaht werden. Man anerkennt in Bonn auch, daß die Kreditbedingungen der Weltbank recht streng sind – so streng, daß sie in verschiedenen Fällen objektiv nützliche Investitionsprojekte einfach nicht erfüllt werden konnten. Ein Institut, das den Entwicklungsländern unter leichteren Bedingungen Kredite geben könnte, wäre deshalb von Vorteil. Auch der Gedanke, einen Fonds für solche Kredite zu schaffen, an dem sich eine größere Zahl von Ländern beteiligen könnte, hat einiges für sich. Der Fonds würde eine „multilaterale“ Hilfequelle darstellen, und die Kreditgewährung wäre aus dem politischen Fluidum und Druck, unter dem direkte Verhandlungen zwischen einem Entwicklungsland und dem Gläubiger immer stehen, herausgelöst. Die großen Gläubigerländer, die in dem Nacheinander der Kreditwünsche einem Land oft aus politischen Gründen Hilfe leisten müssen, und das Kapital lieber anderswo investieren würden, wären von dieser Pression befreit. Sie wären auch frei von der üblichen Kritik dritter Länder an der „bilateralen“ Kreditgewährung.

Aber bevor die Bundesrepublik dem Vorschlag von Monroney zustimmt, müssen einige Probleme sorgsam überprüft werden. Es liegt z. B. nahe, dem Schuldnerstaat durch die Erlaubnis zur Kreditrückzahlung in Landeswährung entgegenzukommen. Aber ist dies nicht bedenklich? Was soll die Weltbank-Tochter mit gewissen weichen Währungen anfangen? Eine Umwandlung ist eine risikoreiche Spekulation, bei der Verluste kaum zu vermeiden sind. Andererseits könnte das Tochterinstitut der Weltbank nicht auf diesen Währungen sitzenbleiben, und gleichzeitig werden die Kreditnehmer Weichwährungs-Kredite ablehnen.

Für die Bundesregierung ist es nicht einfach, sich an dem neuen Projekt zu beteiligen, selbst wenn sie es objektiv als ausgezeichnet betrachten sollte. Der Bundesetat müßte die Mittel zur Verfügung stellen, und der Haushalt ist – wie zur Genüge bekannt – schon durch die heimischen Ausgaben überlastet. Man darf annehmen, daß Präsident Black bei seinem Bonner Gespräch über diese Schwierigkeit informiert worden ist.

Friedrich Lemmer