Im Konzern „Ilseder Hütte“ Peine stand das Geschäftsjahr 1957 bei den Hüttenwerken im Zeichen eines anhaltenden Kostendrucks und bei den Kohlebergwerken unter einer verschlechterten Absatzlage für Koks und Kohle. Sowohl die Steinkohlenförderung (in Herne und Minden) ist von 1,56 auf 1,49 Mill. t zurückgegangen als auch die Ausbringung an Walzwerkerzeugnissen im Hüttenwerk Ilsede-Peine von 665 655 t auf 659 217 t. Die Rohstahlproduktion sank leicht von 796 000 t auf 790 000 t. Beträchtlich gestiegen ist dagegen die Eisenerzförderung, nämlich um 15,7 v. H. auf die Rekordleistung von 2,67 Mill. t. Der Konzernumsatz an Fremde (nach Abzug aller internen Umsätze) ist mit 444 Mill. DM angegeben und läßt sich mit der Vorjahreszahl nicht vergleichen. Es ist anzunehmen, daß dieser Konzernumsatz an Fremde 1957 um etwa 3 bis 5 v. H. höher liegt als 1956. Der ausgewiesene Reingewinn verminderte sich von 11 auf 10,2 Mill. DM, aus dem für das Grundkapital von 112,3 Mill. DM wieder 9 v.H. Dividende ausgeschüttet werden sollen.

Den Gewinn des Geschäftsjahres dürfte die Anfang des vergangenen Jahres noch günstige Exportkonjunktur ermöglicht haben. Der Export der Hüttenwerke erbrachte nämlich mehr als die Hälfte des Geschäftsergebnisses, obwohl er weniger als 20 v. H. der Walzstahlproduktion in Anspruch nahm. Günstige Auswirkungen auf die Ertragslage müssen aber auch den in den letzten Jahren stark modernisierten Erzaufbereitungsanlagen zugeschrieben werden. Mit Hilfe der 1956 in Lengede fertiggestellten Schwerflüssigkeitsanlage und der demnächst anlaufenden Magnetscheideanlage wird es gelingen, den Fe-Gehalt dieser niedersächsischen Eisenerze von etwa 27 im fast 50 v. H. zu erhöhen. Wenn trotz dieser günstigen Voraussetzungen für die Verhüttung der eigenen Erze und der Hoffnung des Konzern-Vorstands auf eine baldige Besserung des Stahlmarktes über die künftige Ertragslage sehr zuzurückhaltende Prognosen gemacht werden, so wird das an der besonderen Krisenempfindlichkeit jener Hüttenwerke liegen, die vorwiegend einheimische Erze einsetzen.

Während die Ruhrhütten eine gewisse Milderung des vom Markt ausgehenden Kostendrucks dadurch verspüren, daß auch die Transportkosten für ausländisches Erz gefallen sind, ebenso die Schrottpreise, kommt solche Erleichterung der Ilseder Hütte nicht zugute. Das Unternehmen setzt weder ausländisches Erz noch Schrott ein. Freilich wird diese Anfälligkeit in absatzschwachen Zeiten dadurch ausgeglichen, daß auch in der Hochkonjunktur keine Abhängigkeit von hohen Schrottpreisen oder Transportkosten besteht. Es ist also sehr wahrscheinlich, daß sich die veränderte Lage auf dem Stahlmarkt bei der Ilseder Hütte erst im laufenden Geschäftsjahr voll auswirken wird.

Jedenfalls macht die konsolidierte Bilanz für den31. 12. 1957 durchaus noch einen günstigen Eindruck. Von einer angespannten Finanzstruktur kann nicht geredet werden. Die Anlage-Zugänge liegen mit knapp 60 Mill. DM fast gleich hoch wie im Vorjahr, wenn man von den 71 Mill. DM 1956 jene 12 Mill. DM abzieht, die auf die Rückgliederung der JHAG entfallen. Die Vorräte haben sich von 69,8 auf 83,3 Mill. DM erhöht und die Rücklagen sind von 192,4 auf 188,8 Mill. DM zurückgegangen. Auch die Pensionsrückstellungen sind etwas verringert worden, von 51,4 auf 49,7 Mill. DM. Dafür sind jedoch die sonstigen Rückstellungen von 23,6 auf 40 Mill. DM beträchtlich gestiegen. Diese Zunahme wird vornehmlich mit erhöhten Rückstellungen für Steuern und einer Rückstellung für Verlustrisiken aus langfristigen Frachtverträgen über die Einfuhr amerikanischer Kohle begründet.

Die angekündigte Erhöhung des Grundkapitals von 112,3 auf 140,4 Mill. DM ist für die zweite Hälfte dieses Jahres geplant. Einzelheiten hierzu sollen auf der HV am 27. Juni in Peine gegeben werden. Daß der Hauptaktionär, die zum Bundesvermögen gehörende VIAG (Aktienpaket von rd. 25 v. H.), dabei von ihrem Bezugsrecht Gebrauch machen wird, gilt als sicher. – ng