DIE ZEIT

Wer jetzt?

Nach dem Mißerfolg des Ministerialrats Fritsch wird ein neuer Kandidat für den Posten des Wehrbeauftragten gesucht. Bei der CDU sind viele verärgert, zumal diejenigen, die die ganze Institution für ein inzwischen überflüssig gewordenes Zugeständnis halten.

Schwert und Bürgergeist

Als der zweite Weltkrieg und mit ihm das Hitler-Regime in Zentraleuropa zu Ende ging, da konnte man mit Fug und Recht annehmen, auf der politischen Karte der Welt, oder mindestens Europas und einiger angrenzender Gebiete, werde nun in Zukunft doch wohl das System der parlamentarischen Demokratie vorherrschen.

Mord an Nagy

Nun also morden sie wieder, die Kremlgewaltigen. Nun fühlt Chruschtschow sich stark genug, seinem grausamen Vorgänger gleich, den Gegner, der sich nicht beugt, zu liquidieren – wie das in der Robotersprache der KP heißt.

Die Illusion der Abrüstung

In Genf geht man dieser Tage daran, den Staub von den Konferenztischen zu wischen. In weniger als zwei Wochen, am 1. Juli, werden hier, am historischen Orte der Verhandlungen, wieder einmal östliche und westliche Vertreter einander gegenübersitzen.

In Bonn: Tag der Trennung

Jedes Wort fand ich richtig, das der sympathische bayerische Ministerpräsident Seidel zur „Feier des Tages der deutschen Einheit“ im Bundestag sagte.

Krankenhaus hat Kreislaufstörungen

So viele Nonnen habe ich noch nie beisammen gesehen“, sagte am vergangenen Wochenende Papa Schmitz auf der Kölner Rheinpromenade.

Termin 30. Juni!

Am 1. Juli soll nach dem Willen des Bundestages ein neues Güterrecht zwischen Eheleuten in Kraft treten. Erwirbt ein Ehegatte während der Ehe Vermögen, so muß er es bei Auflösung der Ehe mit seinem Ehegatten teilen.

ZEITSPIEGEL

Ohne viel Aufhebens hat die französische Armee in Algier nach und nach auch die Zivilverwaltung übernommen. General Massu ist am Montagabend zum Präfekten von Algier ernannt worden.

Das Risiko mit Polen

Diese Fragen werden zur Zeit im Auswärtigen Amt diskutiert. Zuvor wurden sie ausführlich im Auswärtigen Ausschuß des Bundestages erörtert.

Sorgen hinter der Tory-Maske

In England fanden soeben wieder fünf Nachwahlen statt. Die konservative Regierungspartei verlor labei zwar keine Parlamentssitze (wie im Frühahr), mußte aber wiederum erhebliche Stimmeinbußen hinnehmen.

Ulbricht in Moll

Ungewöhnlich sanfte Töne gegen die „bürgerlichen“ Hochschulprofessoren der Sowjetzone hat Walter Ulbricht vernehmen lassen, als er vor dem Zentralkomitee der SED die Parteifunktionäre an den Universitäten aufforderte, sich „loyal und freundschaftlich“ gegenüber jenen Gelehrten zu verhalten, „die im kapitalistischen System aufgewachsen sind und wissenschaftlich gearbeitet haben“.

Alle Wahlen an einem Tag?

Der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Bundestag, Dr. Erich Mende, hat auf dem Berliner FDP-Parteitag vorgeschlagen, die Wahlen zum Bundestag und zu den Landtagen zeitlich aufeinander abzustimmen.

Ungemütliche Halbzeit

Es hätte ein schönes, ruhiges Jahr werden können in Wien – keine Präsidentenwahl, keine Nationalratswahl, keine Landtagswahl, nichts.

Abrüstung auf einen Schlag?

Duncan an Sandys, der einsame, rücksichtslose und bei vielen unbeliebte englische Verteidigungsminister, hat das Unterhaus letzte Woche in Erstaunen versetzt: In einer Verteidigungsdebatte sprach er über die Abrüstung, als sei er der verträumteste aller Idealisten.

Bürgerkrieg auf Zypern

Die zyprische Zeitbombe ist losgegangen: Seit anderthalb Wochen regiert der Kriegsgott Ares auf dem Eiland der Aphrodite, herrscht Bürgerkrieg zwischen den 100 000 Türken und 400 000 Griechen auf der Insel.

Reifeprüfung 1944

„Die schriftliche Reifeprüfung für das Schuljahr 1957/58 findet in der Zeit vom 18. – 25. Juni 1958 statt. Die Durchführung der Prüfung und die Prüfungsanforderungen richten sich nach der Schulordnung für die Höhere Schule vom 17.

ZEITMOSAIK

Ernest Hemingway hat zum ersten Male mit dem Brauch gebrochen, abfällige Bemerkungen über die Verfilmung seiner Romane zu machen der Film, der über den alten Mann und das Meer gedreht wird, soll ihm sogar so gefallen, daß er selber – in der Rolle eines Touristen – darin mitwirken will, Glanzleistung eines Regisseurs oder Resignation eines alten Mannes? – das ist die Frage in Fachkreisen.

Hans Kasper:: Non-Konformistisches

Wenn auf den Wogen der Massenkundgebungen die Gischt der Transparente schäumt, bewegt vom Winde, den die Redner machen – das nenne ich mir Freilichttheater mit modernsten Geschäftsmethoden: der mögliche Profit für die Produzenten, das eventuelle Defizit zahlt die Komparserie.

Unsere Sprache:: Ausgesprochene Mode-Klischees

Eine ausgesprochene Sprach-Unart, die den Sprecher restlos als einen jener allzuvielen Papperlapappisten ausweist, sind gängige Modewörter, bei denen das Denken durch Mundbewegungen ersetzt wird.

Am Rande von Werner Krauss

Er nennt es „Das Schauspiel meines Lebens“ – wer möchte es nicht sehen, mit Werner Krauss im Mittelpunkt? Zur Inszenierung dieses „Schauspiels“ hätte Hans Weigel eine sehr einleuchtende Idee mitgebracht: Krauss sollte erzählen, keine „stilistische Brillanz“ sollte seine erzählerische überglänzen.

Afrocubanische Lyrik

Desteht wohl die Möglichkeit, daß abendländische Lyrik neue Impulse aufnehmen könnte von der Negerlyrik – ähnlich wie abendländische Musik ja solche Impulse aufgenommen hat? – Im Hanser-Verlag sind zwei Bände mit Gedichten afrikanischer und südamerikanischer Autoren erchienen, übertragen von Janheinz Jahn: Schwarzer Orpheus, Moderne Dichtung afrikanischer Völker beider Hemisphären (195 S.

Nur ein Hund?

Der Hund als literarischer Held ist selten keine Fehlbesetzung. Er ist einerseits der menschlichen Welt, der Vielschichtigkeit ihrer gegenseitigen Verknüpfungen und Trennungen verbunden, andererseits entrückt ihn sein Tiersein allen Verstrickungen und verleiht ihm die absolute Neutralität des Immoralen.

Quex im Kriege

Ob es immer noch zu früh ist, die Zeit, die wir durchlebten – die „tausendjährige“ in des Wortes verteufelt wahrhaftiger Weise – in der großen literarischen Form gültig zu gestalten, im Roman beispielsweise, der mehr sein sollte als ein gut zusammengedrehter Zopf einiger Episoden? Mehr als ein Aufzeigen von Einzelschicksalen auf der einen und dokumentarisch gefestigter Reportage auf der anderen Seite: – mehr als beides zusammen.

Sachsen: Ulbrichts Jungbrigaden

Im vorigen Jahrhundert protestierte (nicht zuletzt im Industrieland Sachsen) die Arbeiterschaft gegen die Kinderarbeit in Fabriken und in der Heimindustrie.

Niedersachsen: Lehrer? „Eben nicht!“

Fernau hatte im Februar im Geschäft des Friseurmeisters Knospe im Flecken Mandelsloh – wo Fernau seit 1956 an der Volksschule einige Dutzend Kinder unterrichtete – krasse antisemitische Äußerungen gemacht.

Der Währungsball

Einen alten Rucksack und meine Landsermütze hatte, ich auf dem Boden gefunden. Meine Frau hatte Stroh geflochten und daraus höchst jammervoll anzusehende Schuhe genäht.

Bayern: Festes-Seligkeit an der Isar

Hoch gehen die Wogen der 800-Jahr-Feier der Stadt München. Unübersehbare Mengen von Besuchern aus aller Welt überfluten zu Wagen und zu Fuß die Straßen, die zur großen Überraschung der Einwohner tatsächlich pünktlich in aller Sauberkeit wieder passierbar geworden sind, nachdem sie monatelang bis zur Hoffnungslosigkeit nachdem sen und durchwühlt worden waren.

Hessen: Zivilisations-Aufrüstung

Die beiden hübschesten Mädchen des Luftkurortes Arnoldshain im Taunus hatten alle Hände voll zu tun, um die zahlreichen Ehrengäste mit roten und weißen Nelken zu dekorieren: den Herrn Ministerpräsidenten, vier Minister, eine Handvoll Staatssekretäre, den Herrn Landrat und ein Dutzend Journalisten.

Das kleine Erleben um ein großes Geschehen

Als ich im September 1947 zum Leiter der „Sonderstelle Geld und Kredit“ bestellt wurde, bestanden im allgemeinen nur recht nebelhafte Vorstellungen über das, was zu tun notwendig sei, um das Chaos zu beenden und wieder zu „gesundem“, funktionsfähigem Geld, zur Ordnung der Wirtschaft und vor allem auch zu menschlicher Freizügigkeit zurückzufinden.

Die Amnestieanleihe

Mit der Emission der neuen goldindexierten Anleihe hat sich die Regierung de Gaulle trotz des Vertrauensklimas, das sich in Frankreich langsam wieder herstellt, auf ein etwas gewagtes Spiel eingelassen.

„Globale“ Ökonomie

Die Welt von 1913 war wie das Athen in den Tagen von Perikles in mancher Beziehung eine mustergültige Zivilisation – wenn man die Tatsache vergißt, daß sie von ihren Segnungen den größeren Teil der Menschheit ausschloß“, schreibt der ehemalige Direktor der Economic Commission for Europe, Gunnar Myrdal, in einem seiner oft angefeindeten Werke.

Ein neuer Kredit

Im Anschluß an die Jahressitzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hat der Präsident der Weltbank, Eugene Black, in Frankfurt bei der Bundesbank Verhandlungen geführt und Bonn zu einer kurzen Besprechung mit den Ministern Erhard und Etzel besucht.

Syndikalistische Fanfaren

Die Sozialisierungsforderung gehört zu den „Evergreens“ der Gewerkschaftsbewegung. In München hat die Industriegewerkschaft Bergbau erneut die Überführung ihres Wirtschaftszweiges in Gemeineigentum gefordert.

Amerikanische Recession auf dem Tiefpunkt

Wie Präsident Eisenhower kürzlich bemerkte, macht eine Schwalbe noch keinen Sommer. Man kann daher aus der Tatsache, daß einige der konjunkturempfindlichen amerikanischen Wirtschaftsindizes in jüngster Zeit nach oben weisen, noch nicht mit Sicherheit schließen, daß der Aufschwung bereits eingeleitet ist.

Die EZU nochmals gerettet

Der OEEC-Rat in Paris wird am 26. Juni den Vorschlag des Direktionskomitees der Europäischen Zahlungsunion (EZU) ausdrücklich bestätigen, wonach die EZU ab Ende Juni um ein weiteres Jahr ohne Änderung der bisherigen Regeln verlängert werden soll.

Der Preiskrieg am Stahlmarkt ist zu Ende

Die diesjährige Mitgliederversammlung der Wirtschaftsvereinigung Eisen- und Stahlindustrie fand in einem konjunkturellen Klima statt, wie wir es seit Jahren nicht mehr kennen.

Der Leser schreibt...

In diesem Aufsatz werden insbesondere die Ärzteorganisationen (für die Zahnärzte gilt das gleiche) angesprochen. Diese Organisationen haben sich unter starken Widerständen der Lebensversicherungen, unter großen persönlichen Opfern des einzelnen und ohne Hilfe des Staates Versorgungseinrichtungen geschaffen, die dazu dienen sollen, die Angehörigen des Berufsstandes und deren Angehörige im Alter und bei Invalidität vor den größten wirtschaftlichen Sorgen zu schützen.

Wieder mehr Bausparer

Mit Befriedigung stellte die Leonberger Bausparkasse AG, Leonberg bei Stuttgart, in ihrem Geschäftsbericht für 1957 fest, daß sich die etwas veränderte Konjunkturlage auf das Bausparen überhaupt nicht ausgewirkt hat.

Mangelware Aktie

Die vorsichtigere Investitionspolitik, der Abbau der Lagervorräte und die anhaltenden Exportüberschüsse begünstigten die Liquidität der Wirtschaft, die jetzt nach Anlage für ihre flüssigen Mittel sucht und dabei auch zu einem erheblichen Teil auch an die Börse geht.

Schiffahrtsbanken werden wichtiger

Mit Befriedigung stellt die Deutsche Schiffsbeleihungs-Bank AG, Hamburg, fest, daß sich das Interesse des Käuferpublikums für Schiffspfandbriefe keineswegs auf den Bereich der küstennahen Gebiete beschränkt.

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