Fritz Berg fordert höhere Löhne – Die Pleite am Bett des Patienten

Von Heinz Stuckmann

So viele Nonnen habe ich noch nie beisammen gesehen“, sagte am vergangenen Wochenende Papa Schmitz auf der Kölner Rheinpromenade. Und obwohl Köln die Stadt der Kirchen und Klöster ist, nahmen auch die anderen Spaziergänger jene Invasion von schwarz- und weißbehaubten Schwestern wahr, die im herrlichsten Sonnenwetter in Rudeln den Rhein entlangzogen oder inmitten eines Trupps kichernder Mädchen auf den Bänken saßen. Nonnen und Mädchen waren mit Sonderwagen zur Ersten Deutschen Krankenhausausstellung nach Köln gekommen, die von der Arbeitsgemeinschaft Deutsches Krankenhaus anläßlich des Ersten Deutschen Krankenhaustages in Köln veranstaltet wurde.

Die Schwestern und die Mädchen kamen nicht vergebens. Was da auf 30 000 Quadratmetern in Zusammenarbeit mit der Kölner Messe- und Ausstellungsgesellschaft aufgebaut war, mußte sie begeistern. Vom modernen, komplett eingerichteten Operationssaal bis zur arbeitsparenden Kartoffelschälmaschine zeigte ihnen die europäische Industrie, wie sie ihre schwere Arbeit erleichtern könnten. Rationalisierung wird – soweit es nicht die eigentliche Pflege betrifft – nun auch im Krankenhaus groß geschrieben.

Die Ersparnis an Arbeitskräften zumal war es, die das Herz aller Oberinnen höher schlagen ließ. Das aber immer nur für einen Augenblick. Denn in den bundesdeutschen Krankenanstalten fehlen zur Zeit rund 25 000 Arbeitskräfte – vornehmlich Schwestern. Mit Rationalisierung könnte man einiges ausgleichen. Man weiß aber auch, daß diese Rationalisierungen rund 575 Millionen Mark kosten würden. Und man weiß, ferner, daß man zugleich einiges mehr in die Lohntüte der Gehilfinnen tun müßte. Ohne bessere Arbeitsbedingungen und besseren Lohn werden keine Arbeitskräfte kommen. Die deutsche Schwester arbeitet im Durchschnitt 64 Stunden pro Woche, das Hauspersonal noch etwas langer. Ohne eine größere Zahl von Arbeitskräften wird es keine besseren Arbeitsbedingungen geben. So sieht der Teufelskreis aus.

Klinik geschlossen

Die Marktgemeinde Schwaben, Landkreis Ebersberg (Obb.), mußte im vergangenen Jahr ihr Gemeindekrankenhaus wegen Mangel an Pflegepersonal schließen. Die Ordensschwestern verließen das Krankenhaus. Die Finanzlage ließ es nicht zu, freie Schwestern einzustellen, obwohl deren Lohnverhältnisse auch nicht eben lobenswert sind.