Das hat es noch bei keinem Film-Festival gegeben daß der Gastgeber am wichtigsten Wettbewerb selbst nicht teilnimmt. Ob sich die Russen zum ersten Male an den Internationalen Berliner Filmfestspielen – zu denen sich vierzig Nationen, also acht mehr als in Cannes, gemeldet haben – beteiligen werden, steht immer noch nicht fest. Feststeht nur, daß Deutschland bei der Ausscheidung um den „Goldenen Bären“, dem Preis für den besten Spielfilm, nicht vertreten sein wird.

Diese traurige Botschaft kommt aus Wiesbaden, wo jene Kommission tagte, die für die Nominierung der deutschen Festspielfilme verantwortlich ist. Sie wählte einen abendfüllenden Dokumentarfilm, Hans Domnicks Cinemascope-Farbfilm „Traumstraße der Welt“ und zwei Kulturfilme – „Marionetten“ und „Plastik 58 – Kleine Schöpfungsgeschichte“ – als Beiträge Deutschlands aus. Aber keinen Spielfilm.

Die Wiesbadener Kommission wird ihre Entscheidung nicht leichten Herzens gefällt haben. Für den deutschen Film bedeutet sie nämlich eine Blamage erster Ordnung. Es ist wohl anzunehmen, daß das verantwortliche Gremium ihm nur eine schlimmere Blamage – wie 1957 mit der Auswahl des schlechten und heute schon vergessenen deutschen Films „Die ersten werden die letzten sein“ – ersparen wollte. So gesehen ist dieser Beschluß nur dankbar zu begrüßen – auch wenn er den Bankrott des künstlerischen deutschen Films zu besiegeln scheint.

Gewiß – auch bei den anderen wird mit Wasser gekocht, das wurde erst jüngst in Cannes offenbar; bei uns aber seit Jahr und Tag fast ausschließlich. Im internationalen Film-Konzert spielen wir allenfalls die zweite Geige. Wenn das unsere Filmhersteller noch immer nicht beunruhigt, so doch hoffentlich die Tatsache, daß in der letzten Filmsaison auch mit den sogenannten „Publikumsfilmen“ kein großes Geschäft mehr zu machen war. E.